Ärzte sollen unbestechlich werden

Im deutschen Gesundheitssystem werden Abmachungen zwischen Pharmaindustrie und Ärzten nicht gerne gesehen. Nur ca. 330 Ärzte verzichten auf kleinere und größere Geschenke der Pharmaunternehmen. Diese verschwindend geringe Gruppe plädiert nun für eine grundlegende Änderung im Breich der Hochschulen. Der Dialysearzt T. Lindner bestätigt die Theorie, dass die Geschenke einen Einfluss auf die Verschreibungen der Ärzte haben. Dieser Einfluss werde aber – angeblich – von den meisten Ärzten nicht wahrgenommen. Als Beispiel nennt der Dialysearzt ein Mousepad mit dem Design eines Pharmaunternehmens, auf das er nahezu täglich blickt und es sich dadurch einprägt. Der psychologische Nebeneffekt sei unbestreitbar.
T. Lindner berichtet weiter, dass früher fast täglich ein Vertreter der Pharmaindustrie zu Gast in seiner Praxis war, um neue Produkte anzubieten und ein verkaufendes Gespräch mit dem Arzt zu führen. Natürlich hatte der Vertreter auch immer etliche Geschenke dabei. Und obwohl die Vertreter durchweg sehr freundlich und höflich waren, wurde Lindner die Situation unangenehm und er erteilte ihnen Hausverbot. Die Broschüren der verschiedensten Unternehmen wurden aus den Wartezimmern entfernt und er wurde Mitglied der unabhängigen Ärztevereinigung Mezis. Mezis ist die Kurzform für „Mein Essen zahle ich selbst“ und steht für eine Organisation, mit der Ärzten und Ärztinnen sich dem Einfluss der Pharmaunternehmen entziehen möchten. Seit der Gründung im Jahr 2007 zählz Mezis 330 Mitglieder, die gegenüber den insgesamt über 280.000 niedergelassenen Ärzten nur einen äußerst geringen Anteil ausmachen.
Laut T. Lindner verführe das Gesundheitssystem die Ärzte dazu, diese „Gefälligkeiten“ zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten zu begrüßen. Als Vorstandsmitglied von Mezis weiß er nicht nur um die geschickten Strategien der Vertreter, sondern auch um die gravierenden Fehler im Gesundheitssystem. Einer der Fehler sei die angeblich unabhängige Forschung zu den Pharmaprodukten. Ärzte müssen regelmäßig an Kongressen und Fortbildungen teilnehmen. Die Anwesenheit der Pharmavertreter bei diesen Veranstaltungen wird genutzt, um neue Informationen zu erhalten. Diese seien aber nicht unabhängig, weil die Forscher selbst Angestellte der Unternehmen sind und natürlich darauf geeicht seien, die Vorteile der Produkte zu finden und hervorzuheben.
In einer Zeit, in der jeglicher Konsum durch die Stiftung Warentest und die Verbrauerzentralen transparenter wird, mangele es der Medizin eindeutig an einer ähnlichen Institution.

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