Demenz – Gerne leben, gut leben

Die Diagnose Demenz betrifft immer gleich mehrere Menschen – den Erkrankten selbst, aber auch seine Verwandten und seine Freunde. Es ist wichtig, trotz aller Einschränkungen ein gutes Miteinander zu gestalten.
Leichte Vergesslichkeiten wie mal den Schlüssel verlegen oder das Portemonnaie zum Einkaufen vergessen gehören zum normalen Alterungsprozess; bedenklich allerdings ist es, wenn Menschen immer häufiger Probleme mit dem Gedächtnis haben. Wenn sie alltägliche Aufgaben nicht mehr selbständig bewältigen können oder immer wieder das Gleiche fragen. Eine Demenz macht sich zunächst mit Störungen im Kurzzeitgedächtnis bemerkbar; Betroffene wirken zerstreut und vergesslich und können trotz Bemühens keine neuen Informationen behalten. Bei fortschreitender Erkrankung verschwinden auch erlernte, vertraute Inhalte aus dem Langzeitgedächtnis. Letzlich verlieren Demenzpatienten die räumliche, zeitliche und personelle Orientierung. Das bedeutet, sie vergessen Datum und Jahreszeit und erkennen die Familie und ihre Wohnung nicht mehr. Es bestehen Sprachstörungen wie das abrupte Abbrechen angefangener Sätze oder der Verlust passender Begriffe beim Sprechen. Zu diesen Störungen kommen auch Verhaltensänderungen.
Einige Patienten ziehen sich zurück, werden depressiv oder apathisch; andere werden reizbar, rastlos oder aggressiv. Diese Veränderungen im Verhalten belasten die pflegenden Angehörigen oft sehr. Wichtig ist, möglichst individuell auf den Erkrankten einzugehen. Womöglich hat er Ängste oder Schmerzen, die er außer mit z.B. Schlägen oder Tritten nicht mehr anders äußern kann. Grundsätzlich gilt: möglichst frühzeitig den Arzt aufsuchen! Es gibt verschiedene Testverfahren zur Diagnosestellung; trotz weltweiter intensiver Forschung gibt es noch keine ursächliche Therapie gegen Demenzen wie die Alzheimer-Erkrankung. Dennoch können Antidementiva das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten. Bei einigen Patienten gibt es sogar eine vorübergehende Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Die medikamentöse Therapie ist nur ein Baustein einer guten Betreuung von Demenzkranken. Zusätzlich wichtig ist geistige Anregung und Gedächtnistraining und das regelmäßige trainieren von Alltagstätigkeiten wie Telefonieren, Einkaufen oder Körperhygiene, damit diese möglichst lange selbständig ausgeübt werden können. Tanz- oder Gesprächskreise bringen Abwechslung und soziale Kontakte. Alte Fotos, Erzählungen aus der Heimat, Jugend- und Arbeitszeit helfen dabei, dass Erinnerungen nicht verloren gehen. Ebenso wichtig sind Bewegung und körperliche Aktivität; schon leichte Gartenarbeit und Spaziergänge wirken positiv. Kann ein Demenzkranker kaum mehr sprechen, können Musizieren, Basteln oder Malen eine Brücke bauen. Auch mit Berührungen, Körperkontakt, angenehmen Gerüchen und Licht und Luft lassen sich Menschen mit Demenz ansprechen. Für die Pflegenden eines Demenzkranken ist dies alles eine große Herausforderung; zu der körperlichen Belastung und oftmals Rund-um-die-Uhr-Betreuung kommt die Trauer über den allmählichen Verlust des vertrauten Familienmitglieds. Viele Angehörige erreichen schnell ihre seelischen und körperlichen Grenzen. Sie brauchen daher verlässliche Hilfe und Unterstützung durch häusliche Pflege-und Betreuungsdienste und/oder Tages-und Kurzzeitpflege. Hilfreich sind auch Selbsthilfe- und Angehörigengruppen; sie ermöglichen den Austausch mit anderen, in einer vergleichbaren Situation lebenden Menschen. Pflegende Angehörige sollten sich auch regelmäßige Auszeiten gönnen und auch ihre sozialen Kontakte weiter pflegen; sich somit nicht isolieren. Denn Zuwendung, Respekt und menschliche Nähe sind für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gleichermaßen wichtig.

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