Der Hausarzt

Der Hausarzt muss das Unmögliche schaffen: das breite Feld der Volkskrankheiten bestellen (Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, Diabetes, Asthma, Rückenschmerzen usw.) und zugleich wissen, dass er manchmal einen Patienten von jetzt auf gleich abgeben sollte – wenn nämlich einer sich mit einem verdeckten Herzinfarkt, einer Lungenembolie, einem Spontanschmerz im Bauch oder Lähmungserscheinungen in die Praxis schleppt. Dann wird auch der Hausarzt den Rettungswagen unter 112 rufen. Fast absurd zu glauben, dass ein Hausarzt den diagnostischen und therapeutischen Fortschritt bei all den vielen Krankheiten überblicken könnte, mit denen er real und potenziell zu tun hat. Mitunter ändert sich die Studienlage täglich. Trotzdem ist es erstaunlich, wie viele Hausärzte exzellent informiert sind. Sie haben sich daran gewöhnt, Generalisten zu sein. Auch im kleinen praktischen Schnellvollzug sind sie unschlagbar. Mancher Patient kommt mit einem schmerzhaft entzündeten Umlauf am Fingernagel – und der Hausarzt tut mit Skalpell, Desinfektionslösung, Verband und dem korrekten Antibiotikum fachlich das Richtige. Der gute Hausarzt setzt nicht die große Maschine in Gang, wenn das nicht sein muss. Erkältungskrankheiten wird er nur in Ausnahmefällen mit einem Antibiotikum behandeln. Er weiß, dass die Natur sich oft selbst heilt.

Kommentieren