Die Zeitbombe im Kopf – Risiko Aneurysma

Bei direkten Verwandten von schon diagnostizierten Aneurysma-Patienten besteht ein deutlich höheres Risiko, selbst ein Hirnaneurysma ( Gefäßanomalie; Aussackung einer Arterie) zu haben. Etwa zwei bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands haben laut Experten eine Prävalenz von Aneurysmen der hirnversorgenden Gefäße. Das sind ca. 1,5 bis 2 Millionen Menschen; oft werden die Gefäßaussackungen erst zufällig bei der Diagnostik anderer Erkrankungen entdeckt. Laut Neuroradiologen empfinden die Patienten dann diese Diagnose als “ Zeitbombe im Kopf „, denn die Aneurysmen bergen das Risiko der Ruptur (Riß) und einer lebensbedrohlichen Hirnblutung. Wichtig ist das Erkennen des tatsächlichen Rupturrisikos ( darüber gibt es durch Studien belegte Daten ) und die Kenntnis der Behandlungsmöglichkeiten; die Therapiemöglichkeiten verbessern sich ständig. Die Blutungswahrscheinlichkeit variiert je nach Größe, Lage und Form des Aneurysmas. Zur Abklärung eines eventuell bestehenden Aneurysmas nutzen die Neuroradiologen die Magnetresonanzangiographie; hat ein Verwandter bereits ein diagnostiziertes Aneurysma oder eine Hirnblutung, hängt die vorsorgliche Untersuchung vom Grad der Verwandtschaft und den individuellen Sorgen des Patienten ab.

Neben traditionellen OP-Methoden wie dem Anbringen einer Gefäßklammer nach Eröffnung des Schädels ( Clipping ) durch einen Neurochirurgen hat sich in den letzten Jahren auch die endovaskuläre Behandlung mit sehr weichen Platinspiralen, das sogenannte Coiling, etabliert. Dabei wird, meist von der Leistenschlagader aus, ein Mikrokatheder in das Aneurysma geführt und die Aussackung dann schrittweise “ ausgestopft „. Das vermindert dann die Strömung im Aneurysma, führt zur Bildung eines Blutgerinnsels und danach einer festen Narbenplatte, die dann das Aneurysma verschließt. Die Abwägung der Therapieoptionen hängt im Einzelfall von dem Allgemeinzustand, der Lebenserwartung und bei der Möglichkeit beider Therapieoptionen auch von den persönlichen Wünschen des Patienten ab. Die Behandlungsrisiken sind immer gegenüber dem Rupturrisiko abzuwägen.

 

 

 

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