Ein Leben ohne Gallenblase

Unsere Vorfahren haben oft in großen Mengen und sehr unregelmäßig fettes Fleisch auf einmal gegessen….gut, daß in der Gallenblase reichlich Flüssigkeit gespeichert war, die dann auch kurzfristig für die Verdauung zur Verfügung stand. Wir modernen Menschen können notfalls auf dieses Zwischenlager Gallenblase verzichten, falls das Organ entfernt werden müsste. Dann jedoch müssten wir uns richtig ernähren ( 4-5 kleinere Mahlzeiten über den Tag; vermeiden fetter und frittierter oder gegrillter Speisen; schonendes Zubereiten leicht verdaulicher Speisen und vitamin- und ballaststoffreiche Zutaten ). Durch eine Dehnung der Magenwände wird beim Essen der Leber signalisiert, daß jetzt „Nahrung kommt“. Die dadurch angeregte Produktion des Verdauungssaftes reicht zumeist für eine normale Verdauung der Speisen aus. Doch wir modernen Menschen leben nicht immer gesund; ein Teil zur Entstehung von Gallensteinen (ca.25%) ist genetisch bedingt; die häufigsten Auslöser sind jedoch Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Steinbildung wird durch eine kalorienreiche, kohlehydratdominierte Nahrung begünstigt. Schnelles Abnehmen durch Blitzdiäten beugt dem Problem jedoch nicht vor, denn dadurch verschiebt sich die natürliche, sinnvolle Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit und der Gallenstein bildet sich. Besser ist eine Gewichtsreduzierung mittels einer leicht fettangereicherten Diät, bei der sich die Gallenblase gut zusammenzieht und den Gallengries und kleine Steine durch den Gallengang in den Zwölffingerdarm drückt. Sie werden dann bevor sie sich vergrößern können ausgeschieden. Eine zu geringe Trinkmenge als Ursache wie zum Beispiel bei Nierensteinen ist hier kein Auslöser. Ebenfalls hat sogar Alkohol, für viele Erkrankungen ja sogar mitverantwortlich, hier auch keinen Einfluß; Kaffeegenuss ist laut Studien noch umstritten. Sind auch durchaus mehrere kleinere Steine in der Gallenblase vorhanden, verursachen aber keine Schwierigkeiten, muß diese nicht zwangsläufig entfernt bleiben. Erst wenn Steine im Gallengang stecken bleiben und eine Infektion verursachen, müssen sie endoskopisch über den Darm entfernt werden. Die blockierenden Steine rufen Koliken mit krampfartigen Schmerzen bis in den Oberbauch und sogar bis in die rechte Schulter hinauf hervor. Medikamentöse Verfahren oder Stoßwellentherapien haben sich laut Fachärzten nicht bewährt; heute ist das gängigste und im Moment beste Standardverfahren die Entfernung der Gallenblase mittels Bauchspiegelung, dem Schlüssellochverfahren. Durch drei winzige Schnitte auf der Bauchdecke werden unter Vollnarkose werkzeugführende Instrumente eingeführt, der Bauchraum zunächst mit Kohlendioxid aufgeblasen und dann eine Kamera mit Xenonlicht eingeführt. So ist gute Sicht gegeben und die Gallenblase kann sicher zerteilt in einem Bergebeutel entfernt werden.

Kommentieren