Fazialisparese – Ausfall der Gesichtsmuskeln –

Bei einer Fazialisparese fällt ein wichtiger Hirnnerv, der Fazialisnerv, aus. Er steuert unter anderem die Mimik; bei einer Schädigung gehorchen die Muskeln einer Gesichtshälfte nicht mehr. Wange und Mundwinkel hängen herab, das Auge läßt sich nicht mehr schließen, Sprechen und Kauen fallen schwer und auch kann zum Teil das Schmecken und Hören beeinträchtigt sein. Diese Erkrankung kann durch eine Verletzung oder auch Infektion hervorgerufen werden; oft läßt sich auch keine Ursache feststellen. Dies sind dann sogenannte idiopathische Fazialisparesen, von denen circa 60 bis 75 Prozent der neu auftretenden Fälle ebensolche sind. In Deutschland ist sie mit bis zu 32000 Betroffenen die häufigste Hirnnervenstörung; der Nerv schwillt ohne ersichtlichen Grund an, wird in dem engen Nervenkanal geschädigt und führt zu den Lähmungserscheinungen. Ärzte verordnen im Fall einer idiopathischen Form eine Kombination aus Medikamenten und Physiotherapie. Je schneller mit der steroidalen Therapie begonnen wird, desto besser stehen die Chancen für eine vollständige Rückbildung. Innerhalb der ersten 72 Stunden sollte mit der Behandlung begonnen werden. Bei einer durchaus monatelangen Therapiedauer kann sich somit, zusätzlich durch ergänzende Physiotherapie, in 80 bis 90 Prozent der Fälle die Lähmung vollständig zurückbilden. Die physiotherapeutischen Übungen sind auch aus psychologischer Sicht sinnvoll, denn so kann der Patient aktiv mitarbeiten und muss nicht einfach nur abwarten. Ein erhöhtes Risiko für eine dauerhafte Schädigung besteht dann, wenn der Betroffene erst Wochen nach den ersten Lähmungserscheinungen zum Arzt geht. Jedoch bildet sich manchmal die Lähmung trotz rechtzeitiger Behandlung nicht zurück; 10 bis 20 Prozent der Patienten können dauerhafte Symptome erleiden. Dann kann eine Operation, bei der der Fazialisnerv druckentlastet und rekonstruiert wird, erwogen werden. Nicht-operativ können Ärzte die Lähmung mit einem Elektromyographie-Feedback (EMG-Feedback)  behandeln; dabei messen Elektroden auf der Gesichtshaut elektrische Impulse der Muskulatur. Wenn die Elektrode eine Aktivität misst, erhält der Patient eine Rückmeldung(Feedback) und kann so die Gesichtsmuskeln gezielter trainieren als zum Beispiel vor dem Spiegel. Dieses Feedback kann zum Beispiel ein beweglicher Balken auf dem Bildschirm sein, der dem Patienten dann bei einer Aktion die jeweilige Aktivität anzeigt. Die Krankenkassen bezahlen diese Behandlung im Normalfall jedoch nicht. Diese Therapie muss auch häufig und in längeren Sitzungen angewandt werden, soll sie zum Erfolg führen.  Die nach wie vor erfolgreichste Therapie ist die steroidale mit Kortison; hier wird die Heilung erheblich beschleunigt. Die Symptome der Lähmung einer Gesichtshälfte müssen für die gesamte Dauer der Ausfälle behandelt werden; so würde ein Auge, welches nicht schliessen kann, austrocknen und muss mit Augensalbe oder künstlichen Tränen behandelt werden. Es gilt deshalb:

bevor eine Methode zur Entschlüsselung der Ursache gefunden wird: schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, wenn die Gesichtsmukeln nicht mehr reagieren und früh mit einer Kortisontherapie beginnen; so erhöhen sich die Heilungschancen erheblich.

 

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