Fett macht glücklich

Dass Essen und Gefühle sich gegenseitig beeinflussen, ist bekannt: Es gibt Menschen, die Frust oder Stress mit Essen bekämpfen, oder solche, die gerne essen, weil sie dann Glücksgefühle spüren. Auch die Appetitlosigkeit bei Depressionen ist bekannt. Belgische und britische Wissenschaftler wollten nun sichtbar machen, wie – induziert durch Nahrungsreize – Nervensignale aus dem Darm Hirnzentren stimulieren, und wie Gefühle etwa durch Fett beeinflusst werden. Dazu nutzten sie funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Der Versuchsaufbau war relativ einfach: Mittels klassischer Musik wurden Gefühle wie Traurigkeit oder Ausgeglichenheit ausgelöst. Dann wurde geprüft, ob und wie eine Kochsalz- und Fettsäure- haltige Lösung diese Gefühle beeinflussten. Dazu kamen zwölf gesunde normalgewichtige Probanden an vie verschiedenen Tagen nach 12-stündigem Fasten zur fMRT. Zunächst wurden fMRT-Aufnahmen als Vergleichsgrundlage gemacht. Dann lauschten die Teilnehmer eine gute halbe Stunde elf Musikstücken der Kategorie traurig oder ausgeglichen. Gleichzeitig wurden ihnen auf einem Monitor Bilder von Menschen mit traurigem oder nautralem Gesichtsausdruck gezeigt. Anschließend erhielten sie Fettsäure oder Kochsalzlösung über eine Magensonde, damit sie weder sehen, riechen noch schmecken konnten, welche Flüssigkeit sie bekamen. Insgesamt wurden von jedem Probanden vier Scans an vier verschiedenen Tagen mit jeweils einer der vier möglichen Musik-Flüssigkeits-Konstellationen angefertigt. Ergebnis: Die Fettsäure-Lösung reduzierte im vergleich zur Kochsalzlösung nicht nur das Hungergefühl. Sie wirkte auch stimmungsaufhellend. Und zwar dadurch, dass via Vagusnerv-Fasern Impulse aus dem Darm Hirnareale stimuliert wurden: etwa im Hypothalamus, Thalamus, Hippocampus und Cortex cingularis. Diese Studien-Erkenntnisse lieferten eine neurobiologische Erklärung bekannter Phänomene wie Frustessen oder Essstörungen bei Depressionen.

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