Graphologie – Schlechte Zeichen

Das Schriftbild eines Menschen verrät wohl nichts über seinen Charakter, kann aber auf mögliche Erkrankungen hinweisen. Jede Handschrift ist einzigartig; typische Merkmale bleiben über Jahrzehnte erhalten, wenn sie sich einmal entwickelt hat. Seit mehreren Jahrhunderten beschäftigen sich Graphologen damit, mögliche Zusammenhänge von Schrift und Psyche zu erkennen. Die Ergebnisse halten jedoch seither keiner wissenschaftlichen Diskussion stand. Graphologie ist keine anerkannte Wissenschaft; jedoch greifen in Deutschland häufig Firmen bei Bewerbungsverfahren auf deren Hilfe zurück, um Rückschlüsse auf die Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale eines Bewerbers ziehen zu können. Kritikern zufolge gehört die Graphologie jedoch heute, neben der Astrologie, zu den am besten empirisch widerlegten Pseudowissenschaften.
Geht es jedoch um die Früherkennung neurologischer Erkrankungen wie z.B. Alzheimer, Parkinson oder multipler Sklerose, gibt die Handschrift laut Neurologen eindeutige Hinweise. Oft verändert sie sich schon bis zu zwei Jahre vor dem Auftreten eindeutiger klinischer Symptome wie einseitiges Zittern oder Bewegungsarmut. Schreiben ist eine sehr komplexe Tätigkeit; die für Motorik zuständigen Hirnareale werden aktiviert. Diese sind eben auch durch Erkrankungen wie Parkinson beeinflusst. Ein häufiges Frühsymptom dieser Krankheit ist das stetige kleiner werden der Handschrift; der Patient beginnt mit relativ großen Buchstaben, je weiter er schreibt, desto kleiner wird dann die Schrift. Wesentlich vieldeutiger sind jedoch Veränderungen wie eine zittrige Schrift oder die Ataxie-Schrift, bei der die Schreibbewegungen nicht in der gewollten Richtung verlaufen. Sie können ebenfalls bei psychischen Störungen wie Depressionen oder Schizophrenie auftreten. Vermutlich sind sie auch Folgen von Kreislaufproblemen, Drogenkonsum, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Vergiftungen. Häufiges Verschreiben, das Auslassen von Buchstaben oder ganzen Wörtern kann auf eine Schädigung des Nervensystems hinweisen.
Beim Zeichnen eines Kreises oder einer Spirale können sich erste Anzeichen einer Tremor- oder Ataxieschrift zeigen; die dann entweder zittrig sind oder aufgrund der mangelnden Koordination nicht ganz geschlossen werden können. In der Umkehr können die Ärzte jedoch auch bei diesem Test den möglichen Erfolg einer Therapie, z.B. durch entsprechende Medikamente, erkennen.
Diese Auffälligkeiten können jedoch auch durchaus nur kurzzeitig auftreten oder ganz normale Begleiterscheinungen des Alterns sein, denn nicht jede kleinere Handschrift muss gleich vom Facharzt untersucht oder behandelt werden. Im Einzelfall sollte aber immer abgeklärt werden, ob eine auffällige Schreibstörung näher untersucht werden muss.

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