Herzinfarkt – Was bei Frauen anders ist –

Viele Frauen rechnen nicht mit einem Herzinfarkt; doch häufiger als gedacht kommt es zu diesen Situationen. Bei einem Symptom wie Brustschmerzen denken viele Frauen zunächst eher an Probleme mit ihrem Busen. Auch Anzeichen wie Übelkeit und Erbrechen werden nicht sofort mit einem eventuellen Herzinfarkt in Verbindung gebracht und das führt häufig zu einem verspäteten Arztbesuch. Ebenso registrieren viele Ärzte die Symptome nicht sofort als Notfall. Jährlich kommt es bei Frauen zu etwa 220000 stationären Behandlungen wegen sogenannter „ischämischer Herzkrankheiten“; bei Männern sind es doppelt so viele. Jedoch sterben relativ gesehen mit 43 Prozent mehr Frauen an dieser Erkrankung als Männer mit 37 Prozent. Laut Fachärzten sterben bei den unter 65-jährigen Frauen mehr an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als an Brustkrebs. Behandelt werden können die Herzinfarkte bei frühzeitiger Diagnose durch Einsetzen sogenannter Stents; hier werden mittels Herzkatheder kleine Metallgitter in die verengten Gefäße eingeführt, um diese offen zu halten. Risikofaktoren für Herzinfarkte sind Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes Typ-2 und Nikotin. Ebenso spielen mangelnde körperliche Bewegung und psychosozialer Stress eine erhebliche Rolle. Es gibt in den verschiedenen Stadien der koronaren Herzkrankheiten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Zigarettenrauch scheint bei Frauen noch schädlicher zu wirken als bei Männern; ebenso haben weibliche Diabetes Typ-2 Patientinnen ein vier- bis sechsfach erhöhtes Herzinfarktrisiko. Diabetische Männer haben ein zwei- bis vierfaches erhöhtes Risiko. Studien belegen ebenfalls, daß Frauen durch ständige hohe Belastungen durch Familienorganisation, Berufstätigkeit und noch eventuell zusätzlich Pflege eines Familienangehörigen und somit wenig Freizeit und Erholung ein erhöhtes Risiko tragen.
Erst in der Phase der Rehabilitation findet die Verarbeitung des Infarktes statt. Auch hier findet man geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer möchten nach der Krankenhausbehandlung möglichst schnell wieder körperlich fit werden; hingegen wünschen sich die Frauen nun, daß sie im Alltag mehr Entlastung finden und auch emotional besser unterstützt werden. Zu Beginn der Reha sind sie auch in körperlich schlechterer Verfassung und haben oft mehr chronische Erkrankungen als gleichaltrige Männer. Frauen sind auch unsicherer und trauen sich bei zum Beispiel sportlicher Aktivität weniger zu; Männer überschätzen sich eher. Somit liegt es nahe, daß es anderer Aufbauprogramme bedarf. Eine zehnjährige Studie belegt, daß Frauen von einer speziell auf sie zugeschnittenen Rehabilitation und Therapie noch viele Jahre profitieren. Sie haben oft andere sportliche Vorlieben, weniger Wettkampfsport, bei dem man sich ständig messen muß, sondern eher Sport in einer Gruppe mit zum Beispiel Musik und mehr Spaß und einem regen Austausch untereinander. Die Frauen in einer Gruppe unterstützen sich gegenseitig stärker, reden offener miteinander und somit liegen die Schwerpunkte auf dem Stärken des Selbstbewusstseins, des Selbstvertrauens und des Selbstwirksamens…viele lernen jetzt erst das Neinsagen und das um sich Kümmern.Frauen halten sich nach einer Reha auch häufig länger an das Erlernte und kommen somit auch wieder besser mit den alltäglichen Belastungen zurecht. Ein anderes interessantes Ergebniss der Studie: für Männer sind gemischtgeschlechtliche Gruppen in der Rehaphase günstiger. Für beide gilt: die Belastungsgrenzen besser und genauer kennen.

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