Hüftdysplasie – Übungen und Massage statt Schmerz

Fehlstellungen der Hüfte bei Erwachsenen erfordern häufig eine Operation; der Zeitpunkt dafür lässt sich aber durch gezielte Reha-Maßnahmen hinauszögern. Oft werden diese Fehlstellungen erst im Lebensalter zwischen 45 und 55 Jahren durch stark zunehmende Schmerzen beim Gehen, Aufstehen oder auch Sporttreiben entdeckt; die folgenden Untersuchungen durch Orthopäden und Röntgenaufnahmen bringen dann die Diagnose ans Licht: Hüftdysplasie. Das bedeutet eine nicht ausreichende Abdeckung des Oberschenkelkopfes durch die Hüftpfanne. In Deutschland kommen drei von hundert Babys, davon vier- bis sechsmal soviele Mädchen wie Jungen, mit einer Hüftdysplasie zu Welt. Orthopäden geben zwei Ursachen an: die Vererbung der Fehlstellung und die sogenannte Steißgeburt, bei der das Ungeborene die Drehung aus der Beckenendlage in die Kopflage nicht schafft und sich dann durch die zunehmende Enge im Mutterleib eine Dysplasie entwickelt. In beiden Fällen kann man das Problem bei den Babys innerhalb der ersten drei Lebensmonate beheben, zum Beispiel mit einer Beugebandage. Ohne entsprechende Korrektur formt sich jedoch eine unnatürlich steile Hüftpfanne aus; im Laufe der Jahre und Belastungen durch Alltag und Sport kommt es dann zu Muskelverspannungen und Schmerzen, die von der Hüfte in das Bein, das Knie und auch den Rücken ausstrahlen können. Vor 1980 Geborene haben ein größeres Risiko, daß die Hüftdysplasie nicht direkt nach der Geburt festgestellt wird. Es gab noch keine Ultraschalluntersuchungen; die Babys mussten bei Verdacht geröngt werden. In Westdeutschland schreckten Ärzte größtenteils davor zurück, in der damaligen DDR wurden jedoch alle Kinder geröngt. 1996 erst wurde das Hüftscreening im Rahmen der Routineuntersuchung U3 eingeführt, trotzdem fallen auch heute noch Neugeborene durch das Raster.
Physiotherapeuten nutzen eine gezielte Bewegungstherapie in Kombination mit Massagetechniken, um das Hüftgelenk wieder beweglicher zu machen, Verspannungen zu lösen und die verkürzten Muskeln zu dehnen. Zur Stabilisierung des Gelenkes trainieren die Patienten auch zuhause; somit lässt sich der vorzeitige Verschleiß des Gelenkknorpelüberzugs oftmals um einige Jahre herauszögern. Auch gutes, besser gepolstertes Schuhwerk hilft, das Hüftgelenk zu entlasten. Empfehlenswerte Sportarten sind Radfahren, Schwimmen und Wandern (wenig Belastung des Hüftgelenks); abzuraten ist von Joggen, Tennis, Golf, Squash und Badminton wegen der Stoßbelastungen, Drehungen und Brems- und Beschleunigungswechsel.
Helfen konservative Methoden alleine nicht, gibt es zwei Operationsmöglichkeiten. Eine Beckenumstellung sorgt für eine korrekte biomechanische Position, der Hüftkopf ist dann wieder besser überdacht; bei zu starkem Knorpelverschleiß hilft nur noch eine künstliche Hüfte. Diese Operationen belasten den Körper stark, sie sollten daher möglichst lange herausgezögert werden. Eine künstliche Hüfte hält durchschnittlich nur 12 bis 15 Jahre, dem Patienten sollte man mehrfache Operationen ersparen.

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