Hyperhidrose – Wenn Schweiß zum Problem wird

Starkes Schwitzen beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen sehr stark, trotzdem wird die Hyperhidrose selten als eigenständige und vor allem therapierbare Erkrankung wahrgenommen. Viele Patienten konsultieren einen Hautarzt wegen zum Beispiel Warzen, wunden Stellen oder Pilzerkrankungen. Oft sind aber eben diese Hautprobleme eine direkte Folge des starken Schwitzens. Laut Studien wissen Dermatologen, daß eine recht hohe Prozentzahl Patienten (14000 Befragte – 16,3% mit übermäßigem Schwitzen) unter diesem Symptom leiden. Bei 28% der Betroffenen beschränkt sich das Schwitzen auf die Handflächen, Fußsohlen und Achselhöhlen; 68% von ihnen schwitzen jedoch am ganzen Körper. Grundsätzlich ist Schwitzen eine lebenswichtige Reaktion, die den Organismus vor Überhitzung schützt. Steigt die Körpertemperatur, bilden die Schweißdrüsen ein wässriges Sekret, das auf der Haut verdunstet und so dem Körper die überflüssige Hitze entzieht. Am Tag verliert ein Mensch etwa im Schnitt 0,5 bis 0,7 Liter Flüssigkeit; bei Hitze können es bis zu drei Liter sein. Auch emotionaler Stress oder körperliche Anstrengung regen die Schweißproduktion an…bei der Hyperhidrose jedoch steht die Schweißmenge in keinem Verhältnis zu Stress oder Temperatur. Aus noch nicht bekannten Gründen geben dann die vegetativen Nerven verstärkt Signale ab, was dann zur Überstimulierung der Schweißdrüsen führt. Bei der sogenannten primären Hyperhidrose schwitzen die Patienten ohne erkennbare organische Ursache, meist örtlich begrenzt an Handflächen, Achselhöhlen oder der Stirn, manchmal auch am ganzen Körper. Die sekündäre Hyperhidrose hingegen ist ein Symptom einer Grunderkrankung und äußert sich zumeist generalisiert. Mögliche Ursachen können sein: Tumore, Übergewicht, Diabetes, Infektionen, Schilddrüsenüberfunktion oder die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren. Auch können Arzneimittel wie Blutdrucksenker, Psychopharmaka oder Schilddrüsenpräparate die Schweißbildung verstärken. Wenn ein Mensch auffällig schwitzt, sollte er zum Arzt gehen. Oft müssen mehrere Fachärzte zusammenarbeiten, um die tatsächlichen Ursachen zu entdecken. Sobald die Grunderkrankung dann behandelt wird, verschwindet in der Regel das übermäßige Schwitzen. Bei generalisiertem Schwitzen ohne Ursache helfen oft Medikamente, welche die Schweißbildung hemmen; das können auch Naturheilmittel wie zum Beispiel Salbeiextrakt sein. Bei örtlich begrenzten Symptomen raten die Hautärzte zunächst zu Cremes und Deos mit Aluminiumsalzen, die die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen verengen. Bei schweren Fällen kann mit dem Bakteriengift Botulinumtoxin behandelt werden; es wird in die betroffenen Hautstellen gespritzt und blockiert die Schaltstellen zwischen den überaktiven Nerven. Die Wirkung kann bis zu einem halben Jahr anhalten, muß von Kassenpatienten allerdings meist selbst bezahlt werden. Als eine der letzten Maßnahmen können Schweißdrüsen auch operativ entfernt werden. Hautärzte sollten immer die individuell beste Lösung finden.

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