Lungenkrebs – Keine Wundermittel

Rund 44000 Menschen starben in Deutschland 2011 an Lungenkrebs; keine Tumorart tötet so häufig. Nur 19% der Frauen und 15% der Männer leben länger als fünf Jahre nach Diagnose dieser Krebsart. Nur im Frühstadium lässt sich diese Erkrankung durch Operation und Bestrahlung heilen. Meistens jedoch entsteht die Diagnose erst, wenn sich schon Metastasen gebildet haben; dann läßt sich das weitere Fortschreiten nur noch verzögern. Bis vor wenigen Jahren blieb den Onkologen dann nur eine Chemotherapie, um die Metastasen durch Verhinderung der weiteren Zellteilung zu bekämpfen. Manche Patienten wurden somit von Symptomen wie Schmerzen oder extremer Müdigkeit befreit; doch fast immer wucherten die Metastasen nach einer gewissen Zeit erneut. Menschen mit einem sogenannten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom gewinnen durch diese Chemotherapie im Durchschnitt noch drei weitere Lebensmonate. Zwei Drittel aller Bronchialkarzinome sind nicht-kleinzellig. Gegen diese Krebsarten gibt es neue Medikamente, die Tumorzellen mit sehr hoher Präzision vernichten; eine Heilung dadurch gibt es jedoch nicht.
Seit 2005 gibt es den Wirkstoff Erlotinib, seit 2009 zusätzlich Gefitinib und seit Ende 2012 Crizotinib. Diese Substanzen blockieren Signalwege, die für bestimmte Lungentumore sehr wichtig sind. So wird z.B ein Rezeptor auf Krebszellen gehemmt, der diese dazu anregt, sich unkontrolliert zu teilen und somit zu vermehren. So verhindern diese Medikamente das Wachstum der Metastasen ungefähr drei bis acht Monate länger als eine Chemotherapie; ebenso gibt es seltener schwere Nebenwirkungen. Die Mediziner wissen jedoch im Vorfeld nicht, welche Patienten von diesen zielgerichteten Medikamenten profitieren. Im schlimmsten Fall nützt die Therapie nichts, bestenfalls jedoch gewinnt der Patient zwei Jahre Lebenszeit. Die Ärzte halten zusätzlich zu den neuen Medikamenten eine intensive psychologische Betreuung für sehr wichtig, denn metastasierende Erkrankungen sind nur in Einzelfällen heilbar und die damit verbundene existenzielle Bedrohung muß bei der gesamten Behandlung angemessen gewürdigt werden. Studien haben ergeben, daß Patienten mit zusätzlicher psycholischer Betreuung durch die regelmäßigen Gespräche im Umgang mit der Bedrohung durch den Lungenkrebs und die Möglichkeiten, die damit verbundenen Beschwerden zu lindern, häufiger eine Entscheidung gegen die Chemotherapie fällten und im Schnitt sogar drei Monate länger lebten als Patienten ohne diese zusätzliche Betreuung. Laut den Onkologen hat dieser Ansatz der frühen palliativen Führung im Hinblick auf die Lebensverlängerung einen ähnlichen Effekt wie die neuen Medikamente.

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