Pflegereform-Auszeit von der Pflege

Betreuende Angehörige brauchen ebenfalls Hilfe, denn einen Menschen zu pflegen, Medikamente und Hilfsmittel zu besorgen, 24 Stunden an 7 Tagen die Woche verfügbar zu sein, das kann mit der Zeit erschöpfen und zehren. Diese Situation bestimmt den Alltag von ca. 1,5 Millionen Angehörigen in Deutschland. Laut Studie der Techniker KK pflegt sogar jeder Vierte Angehörige alleine. Sie sind oft im Durchschnitt kränker als der Rest der Bevölkerung und häufig hoch belastet. Umso wichtiger werden Auszeiten vom Alltag. Durch die Anfang des Jahres in Kraft getretene Pflegereform gibt es nun nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Zeit für Pflegepausen. Betreuende Angehörige, die schon lange Zeit dabei sind, wünschen sich neben besseren Informationen über Hilfsangebote eben auch mehr Zeit im Alltag für sich. Die wichtigsten Neuerungen: bei der Verhinderungspflege gibt es jetzt 1612 Euro für sechs Wochen; hierbei wird der Betroffene durch einen Pflegedienst für ein paar Stunden oder mehrere Tage oder auch Wochen zuhause versorgt. Um Missbrauch zu verhindern gibt es bei der Vertretung durch andere Angehörige kein Verhinderungsgeld. Bei der sogenannten Kurzzeitpflege wird der zu Betreuende vorübergehend in einer stationären Pflege untergebracht. Hierbei sollte man darauf achten, das die Einrichtung ein Konzept für solche Fälle hat und die Mitarbeiter auch dort weiter die entsprechende Pflege und Zuwendung erbringen. Man kann jetzt auch die verschiedenen Pflegeformen besser verbinden; es läßt sich zum Beispiel die Kurzzeitpflege an die Verhinderungspflege anschließen. Das ergibt dann bei einem Anspruch von vier Wochen Kurzzeitpflege und der Verhinderungspflege zusammen zehn Wochen. Die Hälfte des Budgets, also maximal 806 Euro, lässt sich auch für die Verhinderungspflege einsetzen. Somit können Angehörige zur besseren Versorgung des Betroffenen in ihrer freien Zeit mehr Angebote von Pflegediensten nutzen. Umgekehrt darf man auch Leistungen der Verhinderungspflege in Form von Kurzzeitpflege nutzen. So können nun Angehörige ihre Auszeiten flexibler gestalten.
Auch wichtig: die Verhinderungspflege kann man auch stundenweise beanspruchen; bei täglich weniger als acht Stunden Hilfe gibt es das Pflegegeld weiter in voller Höhe. Dabei zählt, wie lange der Pflegedienst aktiv war und nicht wie lange der betreuende Angehörige außer Haus ist. Das Pflegegeld wird nach vier Wochen auf die Hälfte gekürzt, wenn die acht Stunden überschritten werden. Ebenfalls neu: für alle Pflegebedürftigen unabhängig ihrer Pflegestufe gibt es Geld für sogenannte niederschwellige Betreuungsangebote; 104 bis 208 Euro pro Monat für Leistungen wie Putzen, Kochen, Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder Spaziergänge. Das erleichtert den Alltag der Angehörigen. Einige Pflegedienste bieten diese Leistungen ebenfalls an.
Auch wer einen dementen Angehörigen pflegt hat jetzt Anspruch auf Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege und nunmehr Möglichkeiten zur Entlastung. Eines der größten Probleme der Regelungen im Bereich der Pflege ist Kompliziertheit und Unübersichtlichkeit. Viele Angehörige wissen auch nicht, dass es spezielle Pflegeschulungen durch Fachkräfte für zu Hause gibt, damit man zum Beispiel richtige Lagerung zur Vermeidung von Druckgeschwüren lernt. All diese Möglichkeiten sollten von Angehörigen auch genutzt werden, denn nur ein frühzeitiges Einrichten von notwendigen Auszeiten verhindert langfristig Ausbrennen und Erschöpfungszustände. Denn steckt man erstmal in der anstrengenden Pflegesituation fest, sind Veränderungen oft schwieriger.

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