Polyneuropathie – nach Chemotherapie Hände und Füße wieder spüren

Wahrnehmungsstörungen an Händen und Füßen, die durch eine Chemotherapie gegen Krebs hervorgerufen wurden, lassen sich mit speziellen Therapien mildern. Meist haben die Patienten mit tauben Fingerspitzen zu kämpfen, was das Greifen und Festhalten von Gegenständen erschwert oder auch mit Taubheit der Zehen und Fußsohlen, was dann einen unsicheren Gang verursachen kann. Ärzte sprechen hierbei von einer Polyneuropathie, einer Nervenschädigung infolge der Chemotherapie. Die langen Nervenbahnen, die bis in die Finger- und Zehenspitzen reichen, sind dann betroffen. Die Symptome können Kribbeln, taubes oder pelziges Gefühl oder auch ein brennender Schmerz sein. Sie können allein in den Zehen -und Fingerspitzen auftreten oder sich in Hand und Fuß ausbreiten; fast immer sind beide Seiten gleichzeitig betroffen. Seltener kommt es zu einer Muskelschwäche. Die Symptome werden durch ganz bestimmte Arzneien in der Chemotherapie hervorgerufen; Mediziner sprechen von zwei großen Gruppen: Einmal die Taxane, die z.B. bei Brust -und Eierstockkrebs eingesetzt werden und zum anderen Platinabkömmlinge, die bei gynäkologischen und auch Darmkrebserkrankungen verabreicht werden. Die Polyneuropathie tritt meist verzögert auf, oft erst nach Abschluß der Chemotherapie. Mit jeder weiteren Dosis bei den Chemo-Zyklen steigt das Risiko für diese Beschwerden. Sie können bis zu ein Jahr anhalten und ganz selten auch gar nicht mehr verschwinden. Auch ist nicht jeder Patient betroffen. Laut Onkologen gibt es nur wenige Studien, die die Wirksamkeit der vielen Therapiemöglichkeiten ausreichend belegen. Es liegen aber in der Praxis zahlreiche gute Erfahrungswerte vor. Gegen die brennenden Schmerzen helfen da etwa Medikamente, die für andere Erkrankungen zugelassen sind. Auch ist Ergotherapie hilfreich; hier wird mit unterschiedlichen mechanischen Maßnahmen die Feinmotorik und Sensibilität in den Händen und Füßen wieder angeregt. Solche Maßnahmen können mit Igelbällen, Bürsten, Noppenfeldern für die Fußsohlen, Massagen mit Infrarotgeräten oder auch einer Wackelplatte für das Gleichgewichtstraining durchgeführt werden. All das stimuliert die Nerven, und je früher man beginnt, desto besser. Mediziner suchen nach Arzneien, welche die Patienten vor und während der Chemotherapie erhalten, um eine Polyneuropathie zu vermeiden. Es muss aber noch durch langfristige Untersuchungen die tatsächliche Wirksamkeit der schon hoffnungsvollen Ansätze bei Therapien mit Platinabkömmlingen bestätigt werden, und vor allem sicher sein, daß die Wirkung der Krebsmedikamente nicht herabgesetzt wird. Gute Erfahrungen bei der Chemotherapie mit Taxanen hat man schon gemacht, wenn die Hände und Füße der Patienten während der Infusion gekühlt werden. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße in den Extremitäten zusammen, sodass dort weniger Substanz ankommt. Patienten, die auf diese Weise behandelt wurden, hatten so gut wie keine Sensibilitätsstörungen. Grundsätzlich erholen sich die Nerven bei einer Polyneuropathie nur langsam; es braucht also Zeit und Geduld.

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