Psoriasis – Die kranke Haut gut versorgen

Obwohl sich die Schuppenflechte therapieren läßt, werden viele Patienten medizinisch noch nicht optimal behandelt. Denn die Patienten leiden nicht nur unter ihrer entzündeten, juckenden und schuppenden Haut, sondern haben häufig noch weitere Erkrankungen. Laut Fachleuten des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie an der Universitätsklinik Hamburg ist die Schuppenflechte eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ganzen Körpers, die sich nicht auf die Haut beschränkt. Circa 70 % der Betroffenen leiden an unentdeckten Begleiterkrankungen wie z.B. Arteriosklerose und Diabetes; etwa jeder Fünfte leidet unter zusätzlichen Gelenkentzündungen. Diese Zusammenhänge seien vielen Ärzten noch zu wenig bekannt. Laut Experten ist in Deutschland jeder zweite Patient mit Psoriasis medizinisch unterversorgt. Von bundesweit etwa zwei Millionen Betroffenen befinden sich 400 000 nicht in ärztlicher Behandlung, auch Patienten mit mittelschweren oder schweren Formen, denen mit den heutigen Therapiemöglichkeiten gut geholfen werden könnte. Der Gang zum Arzt bedeutet oft eine große Überwindung; viele Betroffene fühlen sich wegen ihrer schuppigen, entzündeten Haut wie Aussätzige und neigen zum sozialen Rückzug. Doch auch in ärztlicher Behandlung werden viele Patienten nicht optimal betreut; oftmals werden sie ausschließlich vom Hausarzt betreut. Patienten mit schweren Verläufen sollten auf jeden Fall zum Spezialisten geschickt werden. Die Ärzte müssen auf dem aktuellen Stand sein und die neuesten, medizinischen Leitlinien zur Behandlung von Psoriasis kennen. Zur Verbesserung der Versorgung dieser Patienten haben spezialisierte Hautärzte regionale Psoriasis-Netze gegründet; sie wollen die medizinischen Leitlinien zur Psoriasis auch bei Ärzten anderer Fachrichtungen bekannt machen, ebenso streben sie eine intensivere Zusammenarbeit mit Haus- und Kinderärzten, Internisten und Rheumatologen an.
Die Schuppenflechte gilt als Entzündungsreaktion des ganzen Körpers; sie kann bei genetischer Veranlagung durch verschiedene, individuelle Stressfaktoren hervorgerufen werden. Selten geschieht dies schon im Kleinkindalter, das Risiko steigt dann aber bis zum 40. Lebensjahr und bleibt dann auch bis ins hohe Alter konstant. Oft tritt der erste Schub nach einer Streptokokkeninfektion der Mandeln auf; man vermutet, daß das Immunsystem körpereigene Eiweißstoffe mit bakteriellen Strukturen verwechselt. Auch können Medikamente wie Antibiotika, Blutdrucksenker oder Malariamittel einen Schub auslösen. Nach Abklingen des Infektes oder Absetzen der auslösenden Medikamente, also Beseitigung der Ursache, bleiben die Immunzellen jedoch weiter überaktiv. Die Fachleute vermuten, daß eine körpereigene Substanz das Immunsystem auf Trab hält, es sich also bei der Psoriasis wahrscheinlich um eine Autoimmunkrankheit handelt. Hautärzte erklären, daß durch die Überaktivierung bestimmter Immunzellen entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt werden. Dadurch werden die Zellen der Oberhaut dazu angeregt, sich schneller als normal, nämlich zehnmal, zu teilen. Die noch unausgereiften Zellen werden als Schuppen abgestoßen, die Haut ist verdickt, gerötet und entzündet. Die entzündlichen Veränderungen betreffen dann auch oft inneres Gewebe wie die Gelenkinnenhaut oder die Innenwand der Blutgefäße. Dadurch drohen Begleiterkrankungen wie Arthritis oder Arteriosklerose. Sind weniger als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen und lassen sich diese äußerlich mit Salben, Cremes oder Tinkturen behandeln, spricht man von einer leichten Form. Reichen äußerliche Mittel nicht aus oder sind größere Flächen betroffen, handelt es sich um eine mittelschwere bis schwere Form. Dann ist die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten erforderlich, die das überaktive Immunsystem dämpfen. Neue Mittel, die sogenannten Biologika, werden von spezialisierten Ärzten eingesetzt und greifen bei schweren Formen direkt in das Entzündungsgeschehen ein. Auch dämpft die Bestrahlung mit UV-Licht das Immunsystem und kann so die medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen. Die kurzwelligen UV-B-Strahlen wirken direkt auf die Entzündungsherde in der Basalmembran. Hautärzte halten die Dauertherapie mittels dieser Bestrahlung jedoch wegen des erhöhten Hautkrebsrisikos jedoch für nicht sinnvoll. Profitieren können jedoch viele Patienten von einem Aufenthalt am Meer; das Salzwasser weicht die Haut auf und die UV-Strahlen dringen besser ein. Jedoch sollte es nie zum Sonnenbrand kommen! Das könnte einen entzündlichen Schub auslösen. Die Schübe lassen sich also mit der richtigen Therapie und geeigneter Hautpflege reduzieren, gut eingestellte Patienten sind oft völlig beschwerdefrei. Da Psoriasis jedoch nicht heilbar ist, müssen die Patienten häufig ihr Leben lang Medikamente einnehmen.

 

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