Psychiatrie – Freiwillig oder gar nicht

Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Manie oder Psychose konnten bisher mit Medikamenten gegen ihren Willen behandelt werden, wenn es der Arzt für notwendig hielt. Das verstößt jedoch gegen ihre Grundrechte auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun diese Zwangsbehandlungen untersagt, sofern sie vom gesetzlichen Betreuer veranlasst wurden.
Das birgt sicher Gefahren, kann aber auch eine Chance für Patienten und Ärzte sein. Die Patientenrechte werden durch den BGH-Beschluß gestärkt. Psychiater sehen jedoch jetzt auch die Gefahr, daß Patienten, denen man hätte helfen können, nun ihrem Schicksal überlassen werden. Der BGH regt deshalb an, ein Gesetz zu verabschieden, das in einem abgesteckten Rahmen doch eine Zwangsbehandlung ermöglicht. Hierzu gibt es geteilte Meinungen. Gegner der Zwangstherapie sprechen von mangelndem Respekt und Würde der Patienten in der Psychiatrie; Ärzte handelten oft zu selbstherrlich. Psychiater jedoch sind der Meinung, daß es keine Alternative zur Medikamentengabe gibt, will man die Patienten nicht gefährden oder in die Verwahrlosung schicken. Reden allein löse die Probleme nicht.
Forscher der Psychiatrie zeigen auf, daß die Errichtung von speziellen Kriseninterventionsstationen Zwangsmaßnahmen deutlich verringern konnte.
Die Psychiatrie sollte die Angebote so ausrichten, daß sie von den Patienten angenommen werden und somit auch präventive Möglichkeiten entstehen, bevor Krisen eskalieren.
Es sollten vertrauensvolle Beziehungen entstehen und die Ärzte sich noch stärker auf die Gesprächsmedizin einlassen. Die neue Gesetzeslage dient dafür als Herausforderung.

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