Psychologie – Meister der Traumwelt

Träume bewußt zu erleben lässt sich trainieren und erlernen. Das eröffnet Ansätze für neue Therapien bei einigen psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Ängste oder Schizophrenie. Nützlich für die Behandlungen sind die sogenannten luziden Träume oder Klarträume. Der Patient weiß zu jeder Zeit während des Traumes, daß dieser nur in seinen Gedanken stattfindet. Ärzte der Universität Frankfurt testeten vorallem Schüler aller Altersgruppen ( denn hier kommen diese Träume relativ häufig vor, in späterem Alter seltener ) und werteten die Traumerlebnisse aus. Sie finden demnach vorwiegend während des sogenannten REM-Schlafs statt ( steht für „Rapid Eye Movement“; charakteristisch dafür sind bestimmte Muster von Hirnströmen und schnelle, unwillkürliche Augenbewegungen ) und können im Labor gemessen werden. Auf die seltenen luziden Phasen traf man mit einem Trick: die einschlafende Testperson zuckte bewußt mit den Augen hin und her, wenn sie sich luzide fühlte. Dieses Signal unterscheidet sich deutlich von dem unbewußten Zucken während der REM-Phase und lässt sich per Elektroden messsen. Nach Ende der REM-Phase wurden die Schlafenden geweckt und sofort befragt, woran sie sich erinnerten. So dokumentierte man mehrere Klarträume. Des weiteren registrierten Elektroden die Hirnströme der Testpersonen und man fand heraus, daß Klarträume ein eigenes Muster haben. Weite Hirnareale befanden sich im Schlummermodus, ein kleiner Bereich der Hirnrinde am Stirn- und Schläfenlappen arbeitete jedoch so aktiv wie im Wachzustand. Dieser Bereich steuert bewusste Vorgänge. Diese Erkenntnisse will man jetzt therapeutisch anwenden, denn die obengenannten Erkrankungen gehen mit einer verringerten Kontrolle durch den Stirnlappen einher. Man hofft nun, durch das Trainieren von Klarträumen die Situation der Erkrankten zu verbessern. Viele unterdrücken unbewusst ihren REM-Schlaf, um Ängsten und Albträumen aus dem Weg zu gehen. Nach ersten Erfahrungen und Behandlungen im stationären Bereich zeigte sich, daß die Anzahl der Albträume sich zwar nicht reduziert, die Patienten danach aber weniger ängstlich und depressiv waren und besser durchschliefen. Luzide Träume könnten also ein gutes Training sein, um wieder Vertrauen in die Nachtzeit zu gewinnen. Den größten Erfolg erzielte man bei Patienten mit Albträumen, die aber ansonsten gesund waren. Sie hatten nachher einen guten, entspannteren Schlaf.

Kommentieren