„Schnellender Finger“

Tag für Tag muss man die Finger geschickt und variantenreich bewegen. Wie häufig, registrieren vor allem Menschen, die Probleme damit haben. Diese leiden oft unter einem sogenannten „schnellenden Finger“; sie können die Faust nicht mehr ganz schließen und den betroffenen Finger nur schwer wieder strecken – bis er dann plötzlich nach vorne schnellt. Medizinisch spricht man von der Tendovaginitis stenosans. Diese Erkrankung schmerzt und schränkt die Bewegungsfähigkeit der Finger ein. Häufig trifft es Menschen, die viel mit den Händen arbeiten; im Alltag bewegt man die Finger bis zu 22000-mal am Tag. Frauen leiden häufiger daran, meistens im Alter zwischen 50 und 60; manchmal trifft es nur einen Finger, manchmal auch mehrere. Am häufigsten den Daumen. Die Hand eines Menschen ist sehr komplex aufgebaut und erlaubt uns dadurch sehr präzise Griffe. Sie besteht aus 27 Knochen, 33 Muskeln, zahlreichen Sehnen und Bändern und unzähligen Rezeptoren in der Haut, die dies ermöglichen. Ein schnellender Finger kann dann diese Präzision sehr einschränken. Meist kommt es durch Überbelastungen zu einer Entzündung der Beugesehnenscheide; die Beugesehne ist mit dem vordersten Knochen, dem Fingerendglied, verbunden. Sie läuft vom Handgelenk bis zum Ende des Mittelhandknochens frei, ab dort wird sie am Finger entlang durch sogenannte Ringbänder, ähnlich einer Schnur mit Fixation durch Ösen, geführt. Hat die Sehne vor dem ersten Ringband einen durch die Entzündung entstandenen Knoten, und wird der Finger dann gestreckt, so bleibt der Knoten zunächst im Ringband hängen, zwängt sich hindurch und dann schnellt der betroffene Finger eben plötzlich nach vorne. Eine Diagnose beim Arzt steht relativ schnell: entweder führt der Patient den schnellenden Finger vor oder der Arzt ertastet die Verdickung an der Beugesehne oder erkennt sie im Ultraschall. Es gibt dann zwei Behandlungsmöglichkeiten: Studien belegen eine deutliche Linderung der Beschwerden durch Kortisonspritzen im Frühstadium der Erkrankung, also am besten innerhalb der ersten sechs Monate. Diese Spritzen müssen aber sehr fachmännisch exakt in den nur sehr kleinen Spielraum zwischen Ringband und Sehne gesetzt werden, da ein Anspritzen mit Kortison der Sehne selbst zu einem späteren Reißen dieser führen kann. Die zweite Möglichkeit wäre eine Operation; dabei wird das vordere Ringband durchtrennt und die Sehne hat wieder Platz. Das Gleitgewebe wird nicht mehr gereizt und die Schwellung geht zurück. Dieser Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und dauert wenige Minuten; anschließend sollte der Finger wieder bewegt werden, um ein Verkleben der Sehnen zu verhindern. Nach 14 Tagen kann der Patient dann wieder richtig zupacken……

Kommentieren