Schnupfen

Die sogenannten Rhinoviren, also die Erreger die am häufigsten schuld sind an Schnupfnasen ( vor allem ) im Herbst und Winter, sind sehr hartnäckig. Es gibt weder direkt angreifende Wirkstoffe noch Impfstoffe, die in absehbarer Zeit gegen sie entwickelt werden könnten. Daher haben die Wissenschaftler ihr Augenmerk auch auf die Frage gelenkt, warum manche Menschen anfälliger dafür sind als andere. Fest steht, dass Krankheiten wie Diabetes und genetische Faktoren eine Rolle bei schnellerer Ansteckung spielen. Auch weiß man, dass Raucher ein erhöhtes Risiko haben; als schwierig stellt sich heraus, über Beobachtungsstudien, die den Einfluß des Lebensstils auf die Erkältungsanfälligkeit untersuchen, den auslösenden Faktor zu finden: es greifen einfach zu viele Faktoren ineinander.

Die Annahme, dass Erzieher/innen und Eltern besser vor Schnupfen gefeit sind, erscheint logisch: Wer viel mit anderen Menschen zu tun hat, kommt mit gleich mehreren Virentypen in Kontakt, gegen die er dann Antikörper entwickelt.  In einer US-amerikanischen Studie infizierten Forscher Eltern mit Schnupfenviren und stellten fest: je mehr Kinder in der Familie, desto seltener reagierten die Eltern mit Erkältungssymptomen. Laut Virologen gibt es mindestens 150-160 verschiedene Virustypen, die sogar von Medizinern in einer Online-Datenbank gesammelt werden.  Dazu kommen noch andere Erreger wie Adenoviren, die ebenfalls eine Erkältung auslösen können. Da jeder einzelne Virustyp im Körper nur einen unvollständigen Schutz hinterlässt, kann man sich immer wieder mit anderen Typen anstecken. Deshalb ist es für die Mediziner nahezu unmöglich, bei dieser Virenvielfalt einen Impfstoff herzustellen, der ja dann alle Virustypen enthalten müsste.

Forscher fanden in weiteren Studien auch heraus, dass zuwenig Schlaf ( < 7 Stunden ) ebenfalls Schnupfen auslösen kann, nämlich mit dreimal höherem Risiko. Wie stark eine Erkältung zuschlägt, kann auch mit dem biologischen Alter der Zellen zu tun haben. Bei einer entsprechenden Studie wurde den Probanden ein Nasenspray mit zugesetzten Schnupfenviren verabreicht und beobachtet, bei wem sich die Krankheitssymptome entwickelten. Der Unterschied zwischen der symptomfreien Gruppe und denjenigen, die am nächsten Tag eine laufende Nase hatten, zeigte sich darin, dass bei den Erkrankten ein Teil der weissen Blutkörperchen, die Telomere ( Fäden an den Chromosomen ) verkürzt waren. Dieses Schrumpfen ist ein Zeichen für Zellalterung, hier muss laut Forschern nicht notwendigerweise ein Zusammenhang bestehen; wenn doch, könnte jedoch irgentwann ein Bluttest zeigen, wie hoch das Infektionsrisiko ist.

Auch Stress ist ein bekannter Risikofaktor. Bei Überlastung werden in den Nebennieren und über die Nervenbahnen verstärkt Hormone ausgeschüttet, die dann die Rezeptoren, die für die Immunabwehr zuständig sind, beeinflussen. Zur Stärkung des Immunsystems raten Mediziner daher weniger zu Medikamenten als zu notwendigen Ruhepausen. Es laufen allerdings schon erste Studien zur Entwicklung zielgerichteter Medikamente; wenn die genauen Mechanismen des Kommunikationsnetzwerkes zwischen Gehirn, Geist und Immunsystem erkannt würden, könnte man dies pharmakologisch sinnvoll nutzen.

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