Schwindel -Richtig behandeln-

Um Schwindel wirkungsvoll behandeln zu können, muss zunächst die richtige Diagnose gestellt werden. Dieses kann zumeist schon durch gezielte Fragen in einem ausführlichen Anamnesegespräch mit dem Patienten geschehen. Wie äußert sich der Schwindel? Wann und wie hat er begonnen; gibt es Auslöser oder Verstärker? Tritt er in Ruhe oder beim Gehen auf? Wie lange dauert er?
Wenn es beim Umdrehen im Bett oder anderen Positionwechseln zu Schwindelattacken kommt, kann es sich um den gutartigen Lagerungsschwindel handeln ( die häufigste Form des Schwindels ). Gutartig deshalb, weil er häufig nach einigen Wochen oder Monaten von selbst abklingt. Eine genaue Ursache gibt es meistens nicht; man vermutet sogenannte Canalolithen. Das sind kleine Steinchen, die an einer bestimmten Stelle im Gleichgewichtsorgan sitzen und Signale an das Gehirn vermitteln. Wenn sich diese Steinchen lösen und in einen Bogengang des Gleichgewichtsorgans geraten, lösen sie bei Lagewechseln den Schwindel aus. Dagegen gibt es eine erstaunlich einfache Therapie: Der Patient lernt durch ganz bestimmte, meist schnelle Bewegungen, die Steinchen aus den Bogengängen heraus an einen Ort zu befördern, wo sie keinen Schwindel mehr auslösen.
Die zweithäufigste Schwindelart hat keine organische, sondern eine seelische Ursache. Hier muss der Arzt den Zusammenhang zwischen Schwindel und seelischen Belastungen erkennen. Oft äußern Patienten Sätze wie: “ Mir wird ganz schwindelig, der Boden unter den Füßen weggezogen “ oder “ Mir dreht sich alles im Kopf „; die Patienten fühlen sich unsicher auf den Beinen, haben Schwankschwindel und Ängste. Auslöser können Menschenansammlungen oder auch leere Räume sein. Hier muss mit Geduld vom Arzt vermittelt werden, daß der Schwindel keine organische Ursache hat. Oft sind psychotherapeutische Maßnahmen nötig oder auch Medikamente wie Antidepressiva.
Fallen unsere Gleichgewichtsorgane aus, können Symptome wie starke Übelkeit, Erbrechen, Drehschwindel und auch Schwankschwindel auftreten. Ursachen können Nervenentzündungen z.B. durch Herpesviren oder Immunstörungen sein, diese sind meistens mit Kortisonstoßtherapien gut behandelbar. Manchmal treten auch Kopfschmerzen und Schwindel gemeinsam auf. Bei einer Migräne können auch noch Lichtempfindlichkeit der Augen, Übelkeit und Erbrechen dabei sein. Treten allerdings auch noch andere Symptome wie Sehstörungen mit Doppelbildern, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen auf, müssen wir alarmiert sein und an einen Schlaganfall denken.
Tritt eine Schwindelattacke mit einer Hörminderung und Ohrgeräuschen auf und zusätzlich mit Übelkeit und Erbrechen, kann es sich um die Krankheit Morbus Menière handeln. Hier können bestimmte Medikamente helfen.
Für die gezielte Diagnostik und Therapie stehen erfahrene Fachleute in sogenannten Schwindel – Ambulanzen, die es mittlerweile in vielen Städten an z. B. Universitätskliniken gibt, zur Verfügung.

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