Vom Sterben hintern Gittern

Lebenslang und schwerkrank – nicht wenige Häftlinge in deutschen Gefängnissen werden dort sterben. Fachleute sagen: Hinter Gittern ist Sterben in Würde kaum möglich. Sie fordern: Sterben muss in Freiheit möglich sein. Doch Probleme sind vorprogrammiert und es ist noch ein weiter Weg zum würdigen Sterben hinter Gittern. Zur würdigen Behandlung gehört es unter anderem, den sterbenden Patienten und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, ihn palliativ zu betreuen oder an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Es ist darum bei sterbenden Gefangenen stets im Einzelfall zu prüfen, ob bei der Unterbringung die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt – kein leichtes Unterfangen. Denn bei eingesperrten Kranken stellt sich die Frage nach einem Sterben in Würde noch dringlicher als ohnehin. Durch Einsamkeit und Freiheitsentzug sind die Kranken doppelt stigmatisiert und unterliegen  zugleich einem doppelten Tabu: Dem Sterben überhaupt und dem Sterben im Vollzug. Besonders der Seelsorge und spirituellen Begleitung kommt in dieser Situation große Bedeutung zu. Viele sterbende Straftäter schauen ratlos und mit Trauer zurück auf ihr Leben und ihre Taten. Was sollen sie machen mit ihrem Verbrechen am Ende des Lebens? Jeder sechste zu lebenslanger Haft Verurteilte stirbt im Vollzug. In den Jahren 1990 bis 2000 sind in elf Bundesländern 361 Menschen hinter Gittern an Krankheiten gestorben. Wie bei anderen Sterbenden auch stellen die Pflegenden bei den Betroffenen die fünf Sterbephasen fest, die von Elisabeth Kübler-Ross erstmals systematisch beschrieben wurden. Ein Sterben hinter Gittern ist abwendbar, man kann die Strafe unter Umständen auf Bewährung aussetzen, über die Haftfähigkeit nachdenken oder auf den Gnadenweg setzen. Doch stehen dem Sterben „draußen“ erhebliche Probleme entgegen. Soist die Straflust der Gesellschaft und ihr Sicherheitsbedürfnis gleichermaßen gestiegen. Man muß sich auch fragen, wie die Bewohner eines Hospizes reagieren, wenn im Nebenzimmer ein Schwerverbrecher liegt.

(Quelle: Ärzte-Zeitung 19.07.2011)

 

Ich persönlich möchte mich hier nicht positionieren – ein sehr heikles Thema!

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