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Patientenverfügung

Bei unheilbaren Erkrankungen im Endstadium; in unmittelbarer Todesnähe oder bei Hirnschädigungen regelt im Idealfall eine Patientenverfügung, welche Behandlungsmaßnahmen Ärzte dann nach dem Willen des Patienten vornehmen dürfen. Eine solche Situation kann durch einen plötzlichen Unfall oder eine schwere, unheilbare Krankheit eintreten; solange ein Mensch dann bei vollem Bewußtsein ist, kann er über medizinische Maßnahmen selbst entscheiden. Wenn er jedoch sediert werden muss, im Koma liegt oder nicht mehr zurechnungsfähig ist? Ärzte können dann nur mit einer praxistauglichen Patientenverfügung sinnvoll arbeiten. Diese muss konkret und so präzise wie möglich formuliert sein. Sie sollte ganz klar beschreiben, in welcher Krankheitssituation welche Therapien abgelehnt oder eingefordert werden. Ein solches Dokument zu erstellen überfordert verständlicherweise viele Menschen; mit Themen wie Krankheit oder Tod setzt man sich eher ungern auseinander. Was also tun?

Sinnvoll wäre eine intensive Vorab-Beratung zum Beispiel beim Hausarzt. Verbraucherverbände oder Rechtsanwälte bieten bei juristischen Fragen Unterstützung an. Textbausteine oder Vordrucke aus dem Internet sollten nur als Orientierunghilfe dienen, sie können die Basis für individuell auszugestaltende, eigene Bedürfnisse und Wünsche sein. Konkret sollte man sich auf jeden Fall zu drei Punkten äußern: Wann und in welchem Umfang sind Wiederbelebungsmaßnahmen, künstliche Beatmumg und künstliche Ernährung erwünscht? Weitere Aspekte: Möchte man generell oder nur im Sterbeprozess auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten? Lehnt man vielleicht aus religiösen Gründen eine Blutspende bei einer lebensrettenden Operation ab? Hilfreich ist es auch, seine Wertvorstellungen zu schildern und auszuführen, was ein lebenswertes Leben für einen persönlich ausmacht und dies auf einem Extrablatt beizulegen. Das trägt bei Lücken in der Patientenverfügung dazu bei, den mutmaßlichen Willen eines Menschen herauszufinden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz veranschlagt für ein umfassendes Aufklärungsgespräch etwa 90 Minuten; in der Praxis ist das eher Wunschdenken, denn das überfordert in der Länge oft, zumindest wenn der Hausarzt als Berater dienen soll. Einige Ärzte raten daher zu mehreren Terminen von 10-15 Minuten Dauer über mehrere Wochen hinweg, auch um sich gründlich mit dem Thema auseinandersetzen zu können. Ebenso sollte man sich vor den Gesprächen ausführlich in die Thematik einlesen; das Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz stellt dazu hilfreiche Informationen, auch online, zur Verfügung. Auch die Kirchen bieten Informationen. Die Fragen der Patienten kreisen meist um konkrete Ängste: Wie viel Lebensfreude kann man noch bei künstlicher Ernährung oder Beatmung empfinden? Was ist ein Wachkoma? Wie lange lebe ich noch bei Abbruch einer künstlichen Ernährung? Ist das mit Schmerzen verbunden? Wie nehme ich meine Umwelt in den letzten Stadien einer Demenz wahr?

Eine solche Beratung ist keine Kassenleistung. Ratsam ist es, vorher die Kosten abzuklären; Mediziner rechnen über die Gebührenordnung für Ärzte ab. Als Mitglied der Stiftung Patientenschutz zahlt man einen Beitrag von 3,50 Euro pro Monat, Beratungs-und Hilfsangebote sind inklusive. Manche Rechtschutzversicherungen beteiligen sich auch an den Kosten einer Beratung und Erstellung der Patientenverfügung. Parallel zur Patientenverfügung sollte man dringend auch eine Vollmacht in Gesundheitsangelegenheiten anfertigen, denn eine Verfügung alleine reicht nicht aus. Im Ernstfall braucht es jemanden, der das Verfügte auch durchsetzt. Eine solche Vollmacht regelt nicht das Wie, sondern benennt das Wer. Die bevollmächtigte Person sollte jemand sein, dem der Vollmachtgeber bedingungslos vertraut und der ihn gut kennt; im Ernstfall soll diese Person helfen, im Sinne des Patienten zu entscheiden. Auch hierzu sollten vorab intensive Gespräche miteinander geführt werden.

Experten raten auch, die Verfügung und Vollmacht regelmäßig auf Aktualität zu prüfen; entspricht alles noch meinen Wünschen? Steht der Bevollmächtigte noch zur Verfügung? Ein Zettel  mit Hinweis auf den jeweiligen Ansprechpartner (Bevollmächtigter) sollte zum Beispiel im Portemonnaie mitgeführt werden. Die Originale werden beim Bevollmächtigten hinterlegt, eine Kopie beim betreuenden Arzt. Ganz wichtig: die Dokumente müssen unterzeichnet sein!

 

 

Haustiere -Wohltat für Körper und Seele-

Seit jeher einen Haustiere und ihre Besitzer wesentlich mehr als der gegenseitige Nutzen. Das emotionale Band zwischen dem Menschen und seinem Haustier kann genauso eng sein wie auch in vielen menschlichen Beziehungen. Psychologische Studien ergaben, dass Tiere nachweislich einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben; und das in mehrfacher Hinsicht. Haustiere leisten hervorragende Arbeit als „Kuscheltherapeuten“, wenn zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag der Vierbeiner seinen Menschen so freudig begrüßt, als käme der von einer langen Reise nach Hause oder man vergräbt sich im Kuschelfell der Katze und entspannt bei ihrem wohligen Schnurren. Diese wohltuende Wirkung ist auch messbar; so wird beim Kraulen eines Tieres vermehrt der Botenstoff Oxytocin ausgeschüttet, Herzfrequenz und Blutdruck sinken. Diese Wirkung ist auch bei den Tieren messbar.

Ein weiterer Vorteil ist der Fitness-Faktor; bei Hundebesitzern gilt: egal ob Sonne, Regen oder Kälte, das Tier muss vor die Tür. Und Spaziergänge bei Wind und Wetter härten ab und stärken das Immunsystem. Durch die regelmäßige Bewegung bleiben auch Kreislauf und Herz in Schwung. Der soziale Aspekt ist auch gegeben; vor allem Hunde sind soziale Katalysatoren. Über die Tiere hat man einen schnellen Einstieg ins Gespräch und so manches Paar hat sich beim Gassigehen kennengelernt……

Aber auch Katzen und Vögel helfen gegen eine weitere Gesundheitsgefahr, die Einsamkeit. Vor allem ältere Menschen vermissen menschliche Nähe und Tiere können das zu einem guten Teil ausgleichen. In einigen Seniorenheimen sind daher auch Tiere erlaubt oder zumindest Streichelbesuche. Haustiere sind gesund für Alt und Jung; man weiß heute, das Hunde sogar vor Allergien schützen können. Das kindliche Immunsystem setzt sich mit anderen Keimen auseinander und wird so trainiert. Vorsicht ist jedoch bei allergiegefährdeten Kindern im Umgang mit Katzen geboten. Grundsätzlich sind Kinder, die mit Katze oder Hund aufwachsen, gesünder. Studien belegen, dass sie seltener Husten, Schnupfen oder Ohrenentzündungen bekommen und weniger Antibiotika als Kinder ohne Haustiere benötigen.

Doch bei aller Liebe: die Beziehung zum Tier sollte nicht zu innig sein. Das Gesicht abschlecken, im Bett schlafen oder vom eigenen Teller fressen lassen sollte vermieden werden.  Denn natürlich können die Tiere auch Krankheiten übertragen , die sie von Artgenossen übernommen haben.

Polyneuropathie

Bei dieser Krankheit ist das sogenannte periphere Nervensystem, also die Nervenfasern außerhalb des Gehirns und Rückenmarks, geschädigt. In den meisten Fällen kommt es zu Empfindungsstörungen der Füße und Beine, seltener der Finger, Hände, Arme oder des Rumpfes. Je nachdem welche der peripheren Nerven betroffen sind, können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen reagieren mit Kribbeln, Überempfindlichkeit, Kältegefühl oder auch Lähmungen. Andere verspüren Taubheit oder ein Brennen in den betroffenen Regionen. In Deutschland leiden nach Schätzungen von Neurologen fünf Millionen Menschen an Polyneuropathien; wahrscheinlich liegt diese Zahl noch höher, da diese Erkrankung oft erst sehr spät oder auch gar nicht erkannt wird.

Nicht jedem Patienten kann der Arzt die genaue Ursache seiner Beschwerden benennen, denn mögliche Auslöser gibt es viele. Bei rund 80 Prozent der Betroffenen liegt ein Diabetes mellitus oder Alkoholabusus als Ursache vor; auch Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, leiden oft als Folge dieser Behandlung unter Polyneuropathien. Schwerer lassen sich Auslöser wie Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Vergiftungen, Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen sowie auch Infektionen wie z.B. Borreliose feststellen; hier gilt dann nach Diagnostik die Ursache in der Patientenakte als unklar. Bei Neuropathien kann es auch eine erbliche Vorbelastung geben. Die Diagnostik ist oft langwierig; viele Betroffene suchen erst sehr spät einen Arzt auf und auch die gängigen Diagnose-Methoden zeigen nicht immer ein klares Ergebnis. Bei Neuropathien ohne klare Ursache werden die Muskelfunktion und die Nervenleitgeschwindigkeit getestet; ebenfalls Reflexe und die Analyse von Urin, Blut und Nervenwasser. Teilweise entnimmt man ein winziges Stück eines Nerven, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Diese Untersuchung klärt, welche Nerven betroffen sind und ob ihr Kern oder die Hülle angegriffen sind. Das lässt dann Rückschlüsse auf die Ursache zu.

Die Suche nach dem richtigen Medikament für den einzelnen Betroffenen ist schwierig und auch langwierig; oft müssen mehrere verschiedene Präparate getestet werden und häufig kommt es zu unangenehmen Nebenwirkungen. Ist der Auslöser der Erkrankung bekannt, wird dieser behandelt. Bei entzündlichen Formen setzt man Immunglobuline und Kortison ein; bei Diabetikern mit nachgewiesenem Vitamin B1-Mangel hilft bisweilen die Vitaminvorstufe Benfothiamin.  Es haben sich vor allem Epilepsie-Medikamente und bestimmte Antidepressiva in der Behandlung bewährt, sie schwächen die Symptome ab. Zusätzlich müssen die Patienten individuell herausfinden, was ihnen noch Erleichterung verschaffen kann. Möglichkeiten sind Sport, Aquagymnastik, Gehtraining, Wechselduschen, Massagen und Eincremen. In einer Physiotherapie kann der Patient Gleichgewichtsübungen und Balancetraining auch als Eigenprogramm für zuhause erlernen; ebenfalls können dort gemeinsam geeignete, individuelle Hilfsmittel gefunden werden. Sehr hilfreich ist auch der Besuch von Selbsthilfegruppen, denn bei einer Erkrankungen mit so vielen unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungen und auch Behandlungsmöglichkeiten ist der Austausch untereinander sehr wichtig und kann auch Ängste und Sorgen lindern. Auch kann der Besuch von neurologischen Fachvorträgen für Betroffene das Wissen um die Erkrankung stets verbessern und somit den Umgang mit einer Polyneuropathie erleichtern.

Pseudo-Ischias Beschwerden

Viele denken bei Pseudo-Ischias an einen Bandscheibenvorfall; jedoch ist oft nur ein bestimmter Muskel verspannt und verkrampft. Symptom ist häufig ein schmerzhaftes Ziehen in einer Pobacke, das auch bis ins Bein ausstrahlt. Hier denken die Betroffenen dann an den Ischias; anders als beim klassischen Ischiasschmerz gehen die Probleme jedoch nicht von der Wirbelsäule aus, sondern von einem kleinen Muskel namens „Musculus piriformis“, dem „birnenförmigen Muskel“. Dieser etwa fingerdicke Muskel liegt unter den Gesäßmuskeln und läuft vom Kreuzbein zur oberen Kante des Oberschenkelknochens; er durchquert in seinem Verlauf eine Öffnung im Beckenknochen und kommt dabei dem Ischiasnerv dort, wo dieser das Becken verlässt, sehr nah. Der M.piriformis ist für die Außendrehung des Hüftgelenks zuständig. Bei vermehrter einseitiger Überlastung verkrampft sich dieser Muskel, schwillt dadurch an und drückt somit auf den Nerv und klemmt ihn ein. Dieses sogenannte Piriformis-Syndrom zeigt dann ähnliche Symptome wie ein Bandscheibenvorfall; auch die darüberliegenden Gesäßmuskeln können bisweilen ischiasartige Beschwerden verursachen. Hierbei kommt es zu stechenden oder ziehenden Schmerzen im Gesäß, die in den hinteren Oberschenkel ausstrahlen können. Auch Kribbeln und Taubheitsempfinden bis in die Zehen können auftreten; ebenfalls sich bei längerem Sitzen verschlimmernde Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die Gefahr einer Fehldiagnose  ist dann gegeben; um dies zu verhindern, sollte eine gründliche ärztliche  Untersuchung des Patienten vor größeren Untersuchungen wie einem MRT stehen. Bewegungstests und einfache neurologische Untersuchungen sind schon hilfreich; bei schlanken Patienten ist der Piriformismuskel an der Rückseite des Gesäßes auch zu ertasten. Der wichtigste Hinweis auf einen Pseudo-Ischias ist ein entstehender Schmerz beim gestreckten nach außen drehen des Beines gegen Widerstand oder abspreizen bei gebeugter Hüfte. Bei einem Bandscheibenvorfall kann der Schmerz bis in die Zehen ausstrahlen, beim Piriformissyndrom meist nur bis zum Oberschenkel.

Ursachen für die Verspannung des M.piriformis können langes Sitzen, z.B. am Computer oder im Auto, sein sowie einseitige Überlastung durch zu schweres Tragen oder lange vornübergebeugte Haltung. Auch beim Laufen kann es durch eine verschobene Beinachse oder unterschiedlich lange Beine zu einseitiger Belastung und damit dem Pseudo-Ischias kommen. Dieser wird im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall rein konservativ behandelt. Hier ist die Arbeit von Physiotherapeuten gefragt. Diese erstellen einen gründlichen, ganzheitlichen Befund zum Ausschluß eventueller Fehlstellungen von Gelenken oder Fehlhaltungen; dann sollen gezielte Dehnübungen die verspannten Muskeln lockern. Der Patient bekommt genaue Anweisungen, diese Übungen auch regelmäßig selbst durchzuführen. Bei der manuellen Therapie werden zudem auch schmerzhafte Triggerpunkte, also einzelne verkürzte Muskelfasern, die als verhärtete Knötchen zu ertasten sind, erspürt und entsprechend physiotherapeutisch bearbeitet. Diese Behandlung kann, wenn der Therapeut die richtigen Punkte trifft, sehr schmerzhaft sein; dies ist aber nicht zu vermeiden. Orthopäden behandeln die Triggerpunkte auch mit speziellen Akupunkturnadeln oder fokussierten Stoßwellen. Vor allem zu Beginn ist eine begleitende Behandlung mit entzündungs-und schmerzhemmenden Medikamenten sinnvoll. Und sehr wichtig ist es, die Beschwerden nicht zu lange zu ertragen, denn je schneller man die Behandlung beginnt desto eher verschwinden sie wieder. Vor allem das Beseitigen der Ursachen ist zur Vermeidung einer chronischen Entwicklung sehr wichtig und auch das regelmäßige Durchführen der erlernten Dehn- und Muskelübungen.

Reizdarm

Laut Schätzungen leiden vier bis zehn Prozent der deutschen Bevölkerung unter immer wiederkehrenden Krämpfen, Durchfällen, Blähungen und Verstopfungen…dem Reizdarm-Syndrom. Das Rätsel um diese Erkrankung ist von Medizinern noch nicht endgültig gelöst, da sie so viele verschiedene Facetten aufzeigt. Im menschlichen Darm leben Billionen nützlicher Bakterien; doch bei manchen Menschen ist deren Gleichgewicht empfindlich gestört und oft sind die Beschwerden so schlimm, dass sie den kompletten Tagesablauf bestimmen: Chaos in der Darmflora.

Das Leiden kann zwar von Ärzten diagnostiziert werden, jedoch ist nur ein Teil der Auslöser dafür bekannt. Es können Stress, Infektionen, genetische Veranlagung, psychische Belastung oder auch die Einnahme von Antibiotika sein; diese Vielfalt erschwert die Therapie und hat oft einen Behandlungsmarathon für den Patienten zur Folge. Denn die passende Therapie für den einen kann bei einem anderen Patienten völlig wirkungslos sein. In der Forschungsarbeit wird für ein vollständiges Bild dieser Erkrankung vermehrt an dem Wissen um das Mikrobiom, also die unzähligen Bakterien, die in und auf einem Menschen leben, gearbeitet. Diese Bakterien leben in den Schleimhäuten, im Mund, Magen und Darm; allein im Dickdarm leben circa 1400 verschiedene Arten. Die Reizdarm-Forscher halten es für gut möglich, das diese winzigen Organismen ein guter Lösungsansatz sind. Denn wie lange gedacht sind diese Bakterien nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern neue Erkenntnisse zeigen, dass sie bei unzähligen Prozessen eine Rolle spielen und vielfältige Aufgaben haben. Sie beeinflußen offenbar nicht nur unser psychisches Wohlbefinden, das Immunsystem und Körpergewicht, sondern auch die Entstehung von Erkrankungen wie zum Beispiel Rheuma, Diabetes, Depressionen, multiple Sklerose und eben auch dem Reizdarm-Syndrom. Fakt ist: Gerät das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht, leidet die Gesundheit; wie weit die Zusammenhänge reichen, wird von der Wissenschaft gerade erst zu entdecken begonnen.

Nachdem sich die Studien zu diesem Thema in den letzten Jahren vervielfacht haben und ständig neue Erkenntnisse hinzukommen, sind Experten überzeugt, dass das Mikrobiom bei Reizdarmpatienten eine wichtige Rolle spielt. Die Symptome des Reizdarms lassen sich in vielen Fällen über die Darmflora beeinflussen.; mittlerweile kann belegt werden, dass sich Darmflora und Stuhl von RD-Patienten deutlich von dem gesunder Menschen unterscheiden. Die Anzahl sogenannter Proteo- und Firmicutesbakterien kommt zum Beispiel vermehrt vor, die der Bacteroides, Acinetobacter und Bifido-Bakterien ist verringert. Das weist auf eine Störung des Darm-Mikrobioms hin; man weiß jedoch noch nicht, ob es eine Folge oder eine Ursache des Leidens ist. In jedem Fall bezeichnen die Mediziner dies als Stellschraube der Erkrankung und daran drehen lässt sich wohl am besten mit sogenannten Probiotika.

So bezeichnet man lebende Hefepilze und Bakterien, die in milchsauren Produkten wie Kefir, Buttermilch und Joghurt vorkommen. Diese gehören zu den gesundheitsförderlichen Mikroben und tragen dazu bei, krank machende Erreger in Schach zu halten und die Darmbarriere zu stärken. Viele Mediziner sind von der positiven Wirkung überzeugt; die Probiotika wirken im Körper vielfältig wie zum Beispiel beim Hemmen des Wachstums schädlicher Bakterien und deren Anhaften an die Darmschleimhaut, dem Lindern von Entzündungen, der Verbesserung der Darmbewegung und der Stärkung des Immunsystems. Deshalb wurde 2011 die Therapie mit Probiotika in die Leitlinien zur Behandlung des Reizdarm-Syndroms aufgenommen. Zu therapeutischen Zwecken braucht es höhere Dosierungen als durch Aufnahme von vermehrtem Verzehr von speziellen Milchprodukten erreicht werden kann; es müssen genug lebende Bakterien in den Darm gelangen. Ebenso ist die Wahl des Bakterienstammes wichtig; laut Leitlinien helfen E. coli Nissle Bakterien vermehrt bei Verstopfung, andere wiederum bei Blähungen und Lactosebakterien vermehrt bei Durchfall. Manchmal muss nacheinander ausprobiert werden, was anschlägt. Generell braucht es bei der Therapie viel Geduld; es dauert oft mehrere Wochen, bis die Wirkung eintritt. Sie hält auch nur für die Zeit der Einnahme der Bakterien an; ob eine Probiotika-Behandlung wirklich anschlägt, kann jedoch niemand vorhersagen. Laut Ärzten besitzen die Probiotika ein enormes Potenzial, jedoch sind sie bei manchen Patienten völlig wirkungslos. Das Warum ist eben eine der noch vielen offenen Fragen bei dieser Erkrankung. Muss die Ernährung umgestellt werden? Müssen Probiotika vielleicht mit Ballaststoffen kombiniert werden? Ist die Darreichungsform (Kapseln oder direktes Aufbringen auf die Schleimhaut) entscheidend? Es wird auch an sogenannten Stuhl-Transplantationen (fäkaler Mikrobiom-Transfer) gearbeitet. Hierbei wird aufbereiteter Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm eines Erkrankten eingebracht, um dort ein gesundes Bakterienmilieu herzustellen. Dies ist zumindest bei einer bestimmten Infektion schon effektiv. Bisher gilt es jedoch eher als Option für bestimmte Einzelfälle, bei denen nichts anderes anschlägt.

Daher gilt für alle anderen im Moment der ernsthafte Versuch einer Therapie mit dem richtigen Stamm von Probiotika, über einen langen Zeitraum und in ausreichender Dosierung verabreicht. Die Einnahme ist unkompliziert, es gibt keine nennenswerten Nebenwirkungen und die Therapie lässt sich gegebenenfalls mit anderen Maßnahmen kombinieren. Die Forschung geht weiter….