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Glatze – wenn Geheimratsecken auftauchen

Wenn die ersten „Geheimratsecken“ erscheinen, lassen sich viele Männer aus Not auf allerlei zweifelhafte Methoden oder Mittel ein, z.B. Haarwässer, Botoxspritzen, Lasertherapie oder Heilkräuter. Auch die Ästhetik-Chirurgen haben nach den Frauen nun auch verzweifelte Männer als neue Zielgruppe entdeckt. Eine einträgliche Methode ist das sogenannte Vampir-Lifting, hier wird in mehreren Sitzungen eigenes, aufbereitetes Blut als Stimulanz für die Haarwurzeln gespritzt; wissenschaftliche Beweise für diese Methode gibt es nicht. Als wirksam nachgewiesen sind, jedoch auch nicht bei jedem, nur drei Methoden: zwei Medikamente und die Haartransplantation.

Anfang der 70er-Jahre wurde eine zufällig entdeckt; der Wirkstoff Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck kam auf den Markt. Vor allem Frauen klagten bald über unerwünschte Nebenwirkungen: fast am gesamten Körper wuchsen verstärkt Haare. Hersteller nutzten dies und produzierten Schäume und Lösungen zum Auftragen auf die Kopfhaut und die im Normalfall nur dort wirken. Laut Dermatologen können sich Männer eine fünfprozentige Lösung oder Schaum zweimal täglich in das lichte Haar reiben; frühzeitig angefangen, lässt sich der Haarausfall stoppen. Oft gibt es auch eine Verbesserung. Eine wundersame Haarvermehrung sollte man jedoch nicht erwarten. Als Nebenwirkungen sind Kopfhautreizungen, Allergien oder Haarwuchs an unerwünschten Stellen möglich. Sehr selten kommt es bei örtlicher Anwendung zu starker Blutdrucksenkung mit Herzklopfen und Schwindel.

Auf längere Sicht wirksamer ist wohl der Wirkstoff Finasterid. Diese Tabletten sind rezeptpflichtig und greifen in den Mechanismus, welcher bei vererbter Empfindlichkeit die Haare ausfallen lässt, ein. Grund ist das männliche Hormon Testosteron, welches vor Ort in das deutlich wirksamere Dihydrotestosteron umgebaut wird und das, wenn auch nicht vollständig, dann Finasterid hemmt. Dieser Wirkstoff, der in höherer Dosierung auch gegen das gutartige Prostatasyndrom eingesetzt wird, bremst somit den Haarausfall. Laut einer Studie mit mehr als 1500 Teilnehmern sprießen bei etwa drei Vierteln der Behandelten circa 17 Haare pro Quadratzentimeter zusätzlich; er muss aber wie auch das Minoxidil dauerhaft angewendet werden. Nebenwirkungen sind in geringem Maße auch die der Prostatatherapie; weniger als einem von 1000 Männern wachsen und schmerzen die Brüste, auch ist in extrem seltenen Fällen Brustkrebs nicht auszuschliessen. Andere Begleiterscheinungen sind am häufigsten: bei etwa einem von 50 Behandelten lässt die Erektion oder Lust auf Sex nach, auch ist die Fruchtbarkeit möglicherweise beeinträchtigt. Haartherapeuten halten dies oft noch für akzeptabel, Ärzte jedoch sehen dies sehr kritisch und einige fordern sogar die Zulassung für die Anwendung an den Haaren zu entziehen. Bei einer rein kosmetischen Therapie wäre ein tiefes Eingreifen in den Hormonhaushalt einschließlich der Nebenwirkungen nicht zu vertreten.

Die dritte Lösung: eine Haartransplantation. Zwei der Methoden haben sich durchgesetzt; beide mit Vor- und Nachteilen. Billiger ist die sogenannte Streifentechnik; hier wird nur ein schmaler Streifen rasiert und die Naht lässt sich mit anderen Haaren überdecken. Allerdings bleibt eine bei rasiertem Schädel gut sichtbare Narbe. Eine Entzündung oder Wundheilungsstörung ist bei beiden Methoden möglich, aber selten. Da die Kopfhaut sehr gut durchblutet ist, fördert das die Heilung. Bei der Einzelhaartechnik wird eine viel größere Wunde verursacht, da auf einer größeren Fläche zahlreiche kleine Löcher gestochen werden. In der Regel behalten Männer mit starkem Haarausfall immer einen Haarkranz am Hinterkopf, da nicht alle Haare hormonempfindlich sind. Davon kann die Hälfte, ohne aufzufallen, zur Verpflanzung nach vorne entnommen werden. Dies geschieht unter örtlicher Betäubung. Selten passiert das in einer einzelnen Sitzung; je jünger die Patienten, desto mehr sollte man bei fortschreitendem Haarausfall eine Reserve übrig halten. Wichtig: die Transplantate lassen sich nicht so dicht setzen wie im natürlichen Zustand. Es werden circa 10 bis 40 Einheiten pro Quadratzentimeter verpflanzt, natürlich wären es 80 bis 100. Je nach Aufwand zahlen Betroffene zwischen 3000 und 8000 Euro, es gibt immer auch billigere oder teurere Angebote. Wohlüberlegt sollte man aber immer auf die Erfahrung des Arztes achten. Verharmlosen sollte man solche Eingriffe nicht, die Wunden bluten und es entsteht ein Wundschorf, der sogar erwünscht ist, da er das Verrutschen oder Ausfallen des Transplantates verhindert. Für drei bis vier Tage können Behandelte wie nach einem Boxkampf aussehen, die Augen schwellen zu und die Gesichtsfarbe wird hochrot. Laut den Ärzten ist das aber nach spätestens zwei Wochen überstanden. Prinzipiell wächst transplantiertes Haar lebenslang, jedoch bleiben mit zunehmendem Alter nur die stärksten Haare einer follikullären Einheit, die oft aus mehreren Haaren besteht, stehen. Es kommt also im Spätverlauf einer solchen Verpflanzung zu einem gewissen Ausdünnen. Jeder Mann sollte sich ohnehin hinterfragen, ob er wirklich großen Wert auf volles Haar legt und sich auf Risiken oder Nebenwirkungen einer Behandlung einlassen möchte. Nicht jeder sieht mit einer Glatze älter aus; oft unterstreicht sie den Typ und auch viele Frauen finden Männer mit Glatze attraktiv oder durchaus sexy.

Reizdarm – Diät für den Darm

Häufig bereitet Menschen mit chronischen Darmerkrankungen die Verdauung Probleme. Als Ursache können bestimmte Lebensmittel dahinter stecken. Laut Medizinern sind bestimmte Nährstoffe, zusammengefasst unter der Abkürzung Fodmap, wohl für die meisten Verdauungsbeschwerden verantwortlich. Kohlenhydrate und Zuckeralkohole wie fermentierende Oligosaccharide, Monosaccharide, Disaccharide und Polyole sind ja in vielen Lebensmitteln enthalten und machen bei gesunden Menschen keine Probleme, denn diese Bestandteile werden fast komplett im Dünndarm resorbiert und abgebaut. Bei Menschen, die an einer Darmerkrankung leiden, kann es passieren, daß manche dieser Fodmaps nicht vollständig aufgespalten werden und in den Dickdarm gelangen. Dort werden sie entweder von Bakterien unter Bildung von Gasen abgebaut oder ziehen aufgrund ihrer wasserbindenden Fähigkeit Wasser in den Darm. Das kann unangenehmen Durchfall, Blähungen oder unklare Bauchschmerzen verursachen. Manche Patienten haben auch Sodbrennen; immer dann, wenn der Druck durch die Gase zu groß wird und die Magensäure nach oben in die Speiseröhre gedrückt wird und dort Reizungen verursacht. Laut der Theorie sollen unter anderem manche Getreidebestandteile und laktosehaltige Milchprodukte die Probleme bereiten. Die schon lange bekannte Laktoseintoleranz verursacht zwar ähnliche Beschwerden, beruht aber auf einem Mangel an dem Enzym Laktase und kann vom z.B. Gastroenterologen durch einen Test klar diagnostiziert werden. Auch die Glutenunverträglichkeit, welche eine Reaktion des Immunsystems auf geringste Mengen dieses Klebereiweißes ist, hat andere Ursachen als eine Empfindlichkeit auf Fodmaps, denn die führt meist erst nach dem Konsum größerer Mengen zu den unangenehmen Symptomen. Obwohl der Apfel unbestritten Bestandteil einer gesunden Ernährung ist, hat er doch wie auch zum Beispiel Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Mangos einen hohen Fruchtzuckergehalt und ist somit auch häufig für Beschwerden verantwortlich. Da jeder Mensch individuelle Toleranzgrenzen hat, kommt es wohl auf die Menge der verzehrten Nahrungsmittel an. Ein gesunder Mensch bekommt vielleicht erst nach fünf oder sechs Äpfeln Durchfall, ein Reizdarmpatient vielleicht schon nach einem.

Ein weiterer, die Problematik verstärkender Faktor, ist wohl das zunehmende Versetzen von Lebensmittelerzeugnissen mit Fruktose oder modifiziertem Zuckersirup zum Süßen; wobei hier in diesem Fall  nicht die Fruktose das Problem ist, sondern der schwache Darm der Patienten. Ungefähr 10 bis 15 Prozent der westlichen Bevölkerung leiden an einem solchen Reizdarmsymdrom. Es wird durch Ausschluß anderer Erkrankungen diagnostiziert und ist durch unspezifische Beschwerden gekennzeichnet. Mehrere Studien aus den letzten Jahren ergaben, dass sich eine Ernährungsumstellung auf Nahrungsmittel mit niedrigen Fodmapgehalten positiv auf die Beschwerden auswirken kann. Selbst bei Patienten mit chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa könnte eine entsprechende Diät die Symtome positiv beeinflussen. Diese Studien berufen sich auf unzählige Ernährungsprotokolle und deren Auswertung auf problematische Nahrungsbestandteile. Es ist ein neues, noch nicht endgültig belegtes Konzept, mit dessen Befolgung man jedoch nicht viel falsch machen kann. Wichtig: es lässt keinesfalls eine schwere Darmentzündung verschwinden! Die Patienten sind immer zusätzlich auf ihre entzündungshemmenden Medikamente angewiesen.

Dennoch halten die Mediziner es für ein sinnvolles Konzept; wichtig ist aber, daß der Arzt vor der entsprechenden Ernährungumstellung andere Ursachen für die Beschwerden ausschließt und eventuell eine medikamentöse Basistherapie einleitet. Während man ja eine Laktose- oder Fruktoseintoleranz und eine Glutenunverträglichkeit eindeutig diagnostizieren kann, ist das bei der Empfindlichkeit gegenüber fermentierenden Polyolen und Sacchariden nicht ganz so einfach. Letztlich kann man es eigentlich nur durch Ausprobieren feststellen:Ernährungsprotokolle! Man sollte für etwa vier bis sechs Wochen alle Nahrungsmittel mit hohem Fodmap-Gehalt vom Speiseplan nehmen. Wenn die Beschwerden dann nachlassen, ist eine entsprechende Empfindlichkeit sehr wahrscheinlich. Der Patient kann dann Schritt für Schritt, mit einem bestimmten zeitlichen Abstand, diejenigen Nahrungsmittel, die ihm wichtig sind, wieder zum Speiseplan hinzufügen und wenn keine neuen Beschwerden auftreten die Portionen erhöhen oder ein weiteres Nahrungsmittel dazunehmen. Bei manchen Patienten genügt es auch, sich für zwei Wochen weizenfrei zu ernähren, weil man dann automatisch auch weniger problematische Oligosaccharide verzehrt und diese Diät einfacher durchzuführen ist. Die Mediziner sind sich nicht ganz einig, ob diese Ernährunsumstellung zu einer Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen führen kann; das Angebot an unproblematischen Nahrungsmitteln ist ja recht groß. Inzwischen gibt es ja auch laktosefreie Milch- und glutenfreie Getreideprodukte; auch bei Gemüse und Obst gibt es viele fodmaparme Alternativen. Am besten holt man sich Unterstützung bei einem Ernährungsberater; dieser kann dann fundierte Hilfestellung bei der Auswertung verschiedener Ratgeber und Nahrungstabellen geben, bei denen es ja immer etwas zu beachten gilt, wie z.B. der Gehalt an fermentieren Kohlehydraten bei unterschiedlichem Reifegrad mancher Obstsorten. Hier auch einige Beispiele:

Obst mit niedrigem Fodmap-Gehalt: Bananen, Himbeeren, Grapefruits, Kiwis, Weintrauben und Zitrusfrüchte

Obst mit hohem Fodmap-Gehalt: Äpfel, Kirschen, Birnen, Mangos, Aprikosen, Pfirsiche und Wassermelonen

Weitere Tabellen findet man in verschiedenen Ernährungsratgebern.

Kontrolle daheim – Werte selbst richtig messen

Werte wie Gewicht, Blutdruck, Puls und Körpertemperatur lassen sich auch zu Hause leicht überprüfen, wenn die jeweiligen Geräte stets auf dem neuesten Stand und regelmäßig überprüft sind. Im Gegensatz zu gewerblich genutzten Messgeräten, bei denen eine sicherheits- und messtechnische Kontrolle alle zwei Jahre Pflicht ist, gilt dies für Geräte im häuslichen Gebrauch nicht. Sie werden oft jahrelang genutzt und liefern dann oft nur noch ungenaue oder Schätzwerte. Der Anwender trägt dann das Risiko und sollte somit auch alle zwei Jahre die Geräte kontrollieren lassen oder gegebenenfalls austauschen.

Die Kontrolle des Blutdrucks sollte laut Ärzten bevorzugt am Oberarm erfolgen; leichter fällt es den meisten Patienten jedoch, diesen Wert am Handgelenk zu messen und damit wird es auch regelmäßiger durchgeführt. Daher der Rat: zunächst an beiden Armen messen und danach immer den Arm mit dem höheren Wert nehmen. Wichtig: nicht im Stehen messen, vorher ein bißchen ausruhen, die Manschette auf Herzhöhe halten und während der Messung nicht sprechen oder husten. Bei der Messung am Oberarm immer die Kleidung entfernen und nicht nur den Ärmel hochschieben, das klemmt den Blutfluss leicht ab und hat falsche Werte zur Folge. Nur einmal am Tag zu messen hat wenig Aussagekraft, da der Blutdruck im Tagesverlauf schwankt. Man sollte mehrmals in verschiedenen Situationen messen und die Werte dokumentieren. Liegen sie dauerhaft über 134/84, empfiehlt sich ein Arztbesuch; liegt bereits Bluthochdruck vor, sollten die Zielwerte mit dem Arzt besprochen werden. Wer es modern mag: viele neue Geräte lassen sich mit dem Smartphone oder dem Computer verbinden und dokumentieren die Werte dann in einer App. Oft wird auch gleich der Puls mitgemessen; 60-80 Schläge pro Minute gelten bei Erwachsenen als normal.

Zur Ermittlung der Körpertemperatur ist die sicherste Methode die rektale Messung, also im After. Nur dort wird die Körperkerntemperatur gemessen; sie liegt bei etwa 37 Grad. Darüber hinaus ist erhöhte Temperatur, ab 38 Grad sprechen Mediziner von Fieber. Unter der Zunge, im Ohr oder in der Achselhöhle erhält man nur die Oberflächentemperatur; diese kann von äußeren Bedingungen beeinflußt werden und liefert niedrigere Werte. Hier empfiehlt es sich immer 0,5 bis 1 Grad dazuzuzählen. Eine Alternative sind Ohrthermometer; sie arbeiten mittels eines Infrarotstrahls zum Trommelfell und werden durch Ziehen der Ohrmuschel nach hinten oben richtig ins Ohr eingeführt. Immer wenn man sich krank und schlapp fühlt, sollte man Fieber messen; Fieber gilt stets als Signal für eine ernstzunehmende Erkrankung.

Zur Kontrolle des Körpergewichts steht in fast jedem Haushalt eine Waage; hier gilt es zu beachten, dass die Waage auf einem ebenen Untergrund, also nicht zum Beispiel auf dem Badezimmerteppich steht. Nur dann und wenn sie geeicht ist, liefert sie genaue Werte. Man sollte sich stets zur gleichen Zeit, ohne Kleidung und mit nüchternem Magen wiegen und somit die Kontrolle über ein mögliches Übergewicht, welches dann Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes haben kann, zu wahren. Ebenfalls sinnvoll ist es, den Bauchumfang zu messen, denn je mehr Fett sich in der Körpermitte ansammelt desto höher das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen. Dies ist ganz einfach mit einem normalen Maßband auf Taillenhöhe zu messen; bei Frauen sollte der Wert unter 88 cm, bei Männern unter 102 cm liegen.

Pflegereform-Auszeit von der Pflege

Betreuende Angehörige brauchen ebenfalls Hilfe, denn einen Menschen zu pflegen, Medikamente und Hilfsmittel zu besorgen, 24 Stunden an 7 Tagen die Woche verfügbar zu sein, das kann mit der Zeit erschöpfen und zehren. Diese Situation bestimmt den Alltag von ca. 1,5 Millionen Angehörigen in Deutschland. Laut Studie der Techniker KK pflegt sogar jeder Vierte Angehörige alleine. Sie sind oft im Durchschnitt kränker als der Rest der Bevölkerung und häufig hoch belastet. Umso wichtiger werden Auszeiten vom Alltag. Durch die Anfang des Jahres in Kraft getretene Pflegereform gibt es nun nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Zeit für Pflegepausen. Betreuende Angehörige, die schon lange Zeit dabei sind, wünschen sich neben besseren Informationen über Hilfsangebote eben auch mehr Zeit im Alltag für sich. Die wichtigsten Neuerungen: bei der Verhinderungspflege gibt es jetzt 1612 Euro für sechs Wochen; hierbei wird der Betroffene durch einen Pflegedienst für ein paar Stunden oder mehrere Tage oder auch Wochen zuhause versorgt. Um Missbrauch zu verhindern gibt es bei der Vertretung durch andere Angehörige kein Verhinderungsgeld. Bei der sogenannten Kurzzeitpflege wird der zu Betreuende vorübergehend in einer stationären Pflege untergebracht. Hierbei sollte man darauf achten, das die Einrichtung ein Konzept für solche Fälle hat und die Mitarbeiter auch dort weiter die entsprechende Pflege und Zuwendung erbringen. Man kann jetzt auch die verschiedenen Pflegeformen besser verbinden; es läßt sich zum Beispiel die Kurzzeitpflege an die Verhinderungspflege anschließen. Das ergibt dann bei einem Anspruch von vier Wochen Kurzzeitpflege und der Verhinderungspflege zusammen zehn Wochen. Die Hälfte des Budgets, also maximal 806 Euro, lässt sich auch für die Verhinderungspflege einsetzen. Somit können Angehörige zur besseren Versorgung des Betroffenen in ihrer freien Zeit mehr Angebote von Pflegediensten nutzen. Umgekehrt darf man auch Leistungen der Verhinderungspflege in Form von Kurzzeitpflege nutzen. So können nun Angehörige ihre Auszeiten flexibler gestalten. Auch wichtig: die Verhinderungspflege kann man auch stundenweise beanspruchen; bei täglich weniger als acht Stunden Hilfe gibt es das Pflegegeld weiter in voller Höhe. Dabei zählt, wie lange der Pflegedienst aktiv war und nicht wie lange der betreuende Angehörige außer Haus ist. Das Pflegegeld wird nach vier Wochen auf die Hälfte gekürzt, wenn die acht Stunden überschritten werden. Ebenfalls neu: für alle Pflegebedürftigen unabhängig ihrer Pflegestufe gibt es Geld für sogenannte niederschwellige Betreuungsangebote; 104 bis 208 Euro pro Monat für Leistungen wie Putzen, Kochen, Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder Spaziergänge. Das erleichtert den Alltag der Angehörigen. Einige Pflegedienste bieten diese Leistungen ebenfalls an. Auch wer einen dementen Angehörigen pflegt hat jetzt Anspruch auf Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege und nunmehr Möglichkeiten zur Entlastung. Eines der größten Probleme der Regelungen im Bereich der Pflege ist Kompliziertheit und Unübersichtlichkeit. Viele Angehörige wissen auch nicht, dass es spezielle Pflegeschulungen durch Fachkräfte für zu Hause gibt, damit man zum Beispiel richtige Lagerung zur Vermeidung von Druckgeschwüren lernt. All diese Möglichkeiten sollten von Angehörigen auch genutzt werden, denn nur ein frühzeitiges Einrichten von notwendigen Auszeiten verhindert langfristig Ausbrennen und Erschöpfungszustände. Denn steckt man erstmal in der anstrengenden Pflegesituation fest, sind Veränderungen oft schwieriger.

Musik – hebt nicht nur die Stimmung, sondern ist auch gesund-

Leider singen wir nur noch selten. Auch wenn unsere Lieblingslieder gespielt werden und wir den Text kennen, singen wir nur noch selten mit. Dabei macht das Singen nicht nur Spaß, es wirkt sich auch körperlich, sozial und psychisch positiv auf unser Wohlbefinden aus. Die Stimme eines jeden ist einzigartig und: wir haben sie immer dabei. Durch einen Luftstrom, der in der Lunge entsteht, wird der Grundton der Stimme gebildet. Dieser setzt sich unter die im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen und bringt sie so zum Schwingen. Die jeweilige Dehnbarkeit der Stimmlippen und der Kopfraum bilden den persönlichen Resonanzkörper und geben dem jeweiligen Klang die eigene Note. Fachärzte und Gesangsexperten wissen, daß viele Menschen beim Sprechen und Singen mit zuviel Muskelkraft arbeiten; das kann dann zu Nacken- und Kieferverspannungen führen. Und das wiederum wirkt sich auf die Stimmlippen und Kehle aus; der Luftstrom kann dann die Stimmlippen nicht komplett zum Schwingen bringen und die Stimme wird resonanzärmer und schriller. Bei den meisten Sängern ist wohl das Problem, daß sie sich zu hohe Stücke aussuchen, weil sie ihren Tonumfang noch nicht kennen. Um dann die gewisse Lautstärke und Tonhöhe zu erreichen, wird mit zuviel Kraft gearbeitet. Beim Singen ist jedoch eine gute Balance zwischen angemessen kraftvollem Stimmtraining und Überspannung wichtig. Durch eine Gesangsschulung kann man den Stimmapparat verbessern; die Stimmbänder werden straffer und dicker, die Muskeln zum Herunterziehen des Kehlkopfes kräftiger und somit der Klangraum größer. Ältere Menschen können durchaus von diesem Training profitieren, denn durch den natürlichen Alterungsprozess und bei Frauen auch in den Wechseljahren, werden die Muskeln des Kehlkopfes allmählich schwächer und die Dehnbarkeit der Fasern nimmt ab. Die Stimme wird dann als Folge hauchiger und dumpfer. Singen beugt somit auch dem Altern der Stimme vor, indem es die entsprechende Muskulatur kräftigt. Ärztliche Studien über den Einfluß des Singens und der Musik auf den Körper belegen, daß es mit dem Beginnen des Singens nie zu spät sein kann; es gibt eine positive Wirkung auf das Immunsystem der Atemwege, indem sich ein Anstieg des Immunglobulins A nachweisen lässt, einem Abwehreiweiß, welches eine bedeutsame Rolle in der Bekämpfung von Krankheitserregern der oberen Atemwege spielt. Laut der Studie liegt es wohl an der verstärkten Durchblutung der Schleimhäute, diese regt dann die vermehrte Bildung des Immunglobulins A an und beeinflußt die Körperabwehr nachhaltig positiv. Auch die Psyche wird laut Studien beeinflußt: Singen in einem Laienchor ist eindeutig Stimmungsaufhellend. Das Stresshormon Kortisol sinkt allerdings beim bloßen Anhören von Musik stärker als beim Singen selbst und die Verbesserung der Stimmung wurde nur durch das Chorsingen erreicht; eine weitere Studie belegte ebenfalls, daß der Organismus von Chorsängern vermehrt das harmoniestiftende Hormon Oxytocin produziert, allerdings auch nur beim Singen und nicht während der bloßen Unterhaltung untereinander. Trotz des Wissens um diese positiven Effekte tun wir es leider nur noch selten; vielleicht auch, weil das gemeinsame Singen zunehmend aus den Kindergärten und Schulen verschwindet oder manch einer sich nicht mehr traut, weil er vielleicht zu Unrecht gesagt bekam, er könne nicht singen. Also: nicht entmutigen lassen; Singen gehört zur Natur des Menschen und dieses Potenzial sollte entfaltet werden. Singen ist gesund!!