Umgang mit pflegenden Angehörigen

Die Familie ist noch immer der „größte und leistungsfähigste Pflegedienst“ in Deutschland. Von den über 2 Millionen Pflegebedürftigen werden mehr als zwei Drittel zu Hause, der überwiegende Teil ausschließlich durch die Angehörigen, versorgt. Auf professionelle Dienste wird oft erst dann zurückgegriffen, wenn entweder nicht genügend Hilfsleistungen privat oder aus der Familie erbracht werden kann oder wenn der Einsatz von professionellen Pflegekräften unbedingt erforderlich ist. Um eine gute, partnerschaftliche Zusammenarbeit von beruflich Pflegenden mit den pflegenden Angehörigen zu erreichen, ist es wichtig, die Situation der Angehörigen zu verstehen.

Wenn man von pflegenden Angehörigen spricht, so handelt es sich dabei meist um Frauen. Sie sind als Ehefrauen oft selbst alt und unterstützungsbedürftig, als Tochter bzw. Schwiegertochter oftmals im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Sie tragen die Hauptlast der Pflege und sind dabei notorischen Be- und Überlastungen ausgesetzt, die mit erheblichen Gesundheitsgefährdungen und zusätzlichen Risiken eigener Pflegebedürftigkeit verbunden sind. Ihnen drohen oft Erschöpfungszustände.

 

Gründe:

  • Sie fühlen sich für das Wohlergehen ihres „Patienten“ verantwortlich und haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie auch einmal an sich selbst denken
  • Sie kommen meist unvorbereitet in die Pflegerolle, müssen medizinische Krisen vermeiden und falls diese trotzdem eintreten, diese bewältigen
  • Sie erbringen Leistungen der Grund- und Behandlungspflege, überwachen vom Arzt auferlegte Regeln und medizinische Vorschriften, die eigentlich einer spezialisierten Fachausbildung bedürfen
  • Sie bewältigen, neben der alltäglichen Haus- und Familienarbeit, erhebliche zeitliche, physische und psychische Aufwendungen für die Pflege
  • Sie müssen sich an Veränderungen, wie Verschlechterungen, die im Laufe des Krankheitsprozesses auftreten, anpassen und versuchen unter den gegebenen Umständen so normal wie möglich mit anderen umzugehen und ihre eigene Lebensart beizubehalten
  • Sie müssen nicht selten Problemen in der beziehung und der Familie entgegnen
  • Nicht zuletzt müssen sie mit den Aufwendungen für Pflege und medizinische Behandlung finanziell zurechtkommen, oftmals vor dem Hintergrund von weniger Einkommen, da sie nicht mehr oder nur noch eingeschränkt berufstätig sind

Ziel:

  • Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Angehörigen
  • Entlastung der pflegenden Angehörigen durch professionelle Pflegeleistungen
  • Gute Hilfsmittelversorgung
  • Vernetzung aller an der Pflege beteiligten Personen und Berufsgruppen
  • Umfassende Beratung zu unterstützenden Diensten

Maßnahmen

Mit dem privaten Umfeld, also vor allem den pflegenden Angehörigen und anderen Familienangehörigen, sind professionelle Pflegekräfte fast immer konfrontiert. Auf die zurzeit sicher nicht ausreichenden Angebote für Familienangehörige wie Pflegekurse oder Gesprächskreise gehen nur wenige Angehörige ein. Die Beziehung zwischen dem pflegebedürftigen Menschen, seinen Angehörigen und professionellen Pflegekräften ist für die Qualität der Pflege und Betreuung sowie das Wohlbefinden aller Beteiligten von zentraler Bedeutung. Um sie aufzubauen und zu erhalten ist die Anerkennung und Wertschätzung der Pflegearbeit der pflegenden Angehörigen unerlässlich, Korrekturen daran, wie Beratung und Schulung, müssen mit Fingerspitzengefühl durchgeführt werden. Beratung und Schulung sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Angehörigen findet situationsbezogen und mit dem Ziel der Entlastung der Angehörigen statt.

Beratung:

  • Gesundheitsfördernde, bzw. gesundheitssichernde Pflegetechniken
  • Angemessene Hilfsmittelversorgung
  • Niederschwellige Betreuungsangebote durch ehrenamtliche Helfer und Helferinnen

Selbstpflege der Angehörigen:

  • Angehörige müssen lernen für sich selbst zu sorgen und ihre eigenen Bedürfnisse anzuerkennen. Pflegekräfte können hier emotionale Unterstützung bieten
  • Pflegende Angehörige müssen dafür Sorge tragen, nicht durch die Pflege ihres Pflegebdürftigen in gesellschaftliche und soziale Isolation zu geraten
  • Sie sollten für sich die Möglichkeit der Verhinderungspflege bzw. Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen
  • Pflegende Angehörige sollten sich ab und zu ein paar pflegefreie Tage gönnen und zum Beispiel am Wochenende wegfahren, allein oder mit Partner, mit Freunden oder Bekannten
  • Ein Pflegedienst kann hierzu gezielte Angebote machen, wie die Pflege des Patienten in dieser Zeit sichergestellt werden kann
  • Gegen die körperlichen Belastungen der Pflegetätigkeit hilft am besten eine ausgleichende Sportart, die dem Rücken gut tut und entspannt wie Schwimmen, Yoga oder gezieltes Rückentraining
  • Ergänzende Hilfsdienste der ambulanten Versorgung wie Essen auf Rädern, hauswirtschaftliche Versorgung, Besuchsdienste können helfen, eine eigenständige Lebensführung aufrechtzuerhalten und Angehörige zu entlasten

Weitere Unterstützung durch professionell Pflegende:

  • Gute Pflegeüberleitung
  • Regelmäßige Kontakte und Besprechungen mit den beteiligten Berufsgruppen
  • Enge Zusammenarbeit mit dem Hausarzt
  • Vermittlung von Krisenberatung

 

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