Diabetes

Die Lust auf Süßes ist uns Menschen angeboren; denn um gut zu funktionieren, ist der Körper auf Zucker angewiesen. Der Körper stellt die Glukose aus der Nahrung selbst her, denn sie wird zum Atmen, Laufen und Denken gebraucht. Beim Verdauungsprozess werden Kohlenhydrate aus zum Beispiel Vollkornprodukten, Obst und Gemüse oder auch Hülsenfrüchten so lange zerlegt, bis Glukose vorliegt. Dieses sind Zuckermoleküle, die dann durch die Wand des Dünndarms in die Blutbahn gelangen. Von dort aus werden sie im ganzen Körper verteilt und geben somit den Zellen der Organe die nötige Energie. Die Glukose kann nur dann von einer Zelle aufgenommen werden, wenn die Bauchspeicheldrüse genügend Insulin bildet; dieses Hormon erleichtert das Aufnehmen des Zuckers durch die Zellen. Die Glukose im Blut steht dann als Energielieferant zur Verfügung.

Ein Problem entsteht dann, wenn der Zucker nicht mehr in die Zellen gelangen kann, weil sie schlechter auf Insulin ansprechen; dann verbleibt er im Gefäßsystem und die Blutzuckerwerte steigen. Für eine gewisse Zeit kann der Körper durch erhöhte Insulinproduktion (mehr, als bei einem gesunden Menschen nötig wäre) diesen Zustand ausgleichen, dieses wird von Medizinern dann schon als Vorstufe des Typ-2-Diabetes Prädiabetes genannt. Das Fatale daran ist, dass man es in der Regel nicht spürt; der Hausarzt kann bei einem entsprechenden Verdacht mit einem oralen Glukosetoleranztest jedoch feststellen, ob ein erhöhtes Risiko für Diabetes besteht. Mit dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten steigt die Gefahr für Schäden an Nerven und Blutgefäßen und das erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder weitere Folgeerkrankungen wie Augenerkrankungen, Nierenschäden oder Taubheitsgefühl in den Beinen (Polyneuropathien). Übergewicht kann ebenfalls die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen; dann braucht der Körper mehr als das 20-fache an Insulin im Gegensatz zum Normalgewicht. Jedoch kann auch ein normalgewichtiger Mensch von einer Insulinresistenz betroffen sein. Wenn in einer solchen Situation noch eine zuckerreiche Ernährung dazukommt, für die dann schnell viel Insulin nötig ist, reicht das, was die Bauchspeicheldrüse produzieren kann absolut nicht mehr aus. Zucker ist dann Gift. Die Kombination von Zucker mit gehärteten und ungesättigten Fetten wie in Schokolade, Keksen oder Kuchen ist dann fatal, weil man wegen der hohen Energiedichte schnell zunimmt, nicht wirklich satt wird und schnell wieder Hunger hat.

Aber nicht nur die offensichtlich süßen Nahrungsmittel treiben den Zuckerkonsum in die Höhe, in Speisen wie Fertigpizza, Ketchup, Früchtemüsli oder auch Dosenravioli und anderem verstecken sich hohe Zuckermengen. Laut neuester Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation sollten weniger als 10 Prozent der Kalorienmenge pro Tag in Form von Zucker aufgenommen werden, besser sogar nur unter 5 Prozent. Das entspricht etwa 25 g Zucker (ungefähr 6 Teelöffel); eine Herausforderung, aber machbar. Wichtig ist ein Blick in den Einkaufswagen, um sich vor Zuckerfallen zu schützen; erhebliche Mengen stecken auch in fettreduzierten Speisen oder auch Diätmenüs, um das fehlende Fett als Geschmacksträger zu ersetzen. Fruchtsäfte oder Fitnessriegel haben einen hohen Anteil an Fructose, also Fruchtzucker, der im Übermaß auch schädlich ist. Er läßt im Gegensatz zur Glukose zwar den Insulinspiegel nicht ansteigen, fördert aber bei regelmäßiger Aufnahme eine Fettleberbildung. Laut Ernährungsexperten stellt der in unverarbeiteten Früchten vorhandene Fruchtzucker jedoch kein großes Problem dar, weil die verzehrte Menge zu gering sei. Apfelsaft in der verarbeiteten Variante (handelsüblich) jedoch enthält bei 200 ml etwa 20 g Zucker, auch wenn keiner extra zugesetzt wurde. Werden Glukose und Fruktose in großen Mengen zusammen aufgenommen, zum Beispiel durch Haushaltszucker oder Limonaden, läuft die Fettsynthese in der Leber auf Hochtouren. Wird dann vermehrt Fett in die Leber eingebaut, können krankhafte Veränderungen dieses Organs entstehen, die von Ärzten als nicht-alkoholische Fettleber bezeichnet werden. Immer mehr Menschen sind von den Mengen an Fruktose massiv überlastet, denn sie ist in fast allen Fertigprodukten enthalten; Zucker dient nicht nur als Geschmacksverstärker, sondern auch als Konservierungsmittel. Deshalb raten Ärzte dringend von industriell gefertigten Lebensmitteln, die zugesetzten Zucker, Fruktose, Glukose oder Glukose-Fruktose-Sirup enthalten, ab. Die Inhaltsstoffe stehen in der Zutatenliste auf der Verpackung, und je weiter vorn eine Zutat aufgeführt ist, desto mehr ist davon enthalten. In den Nährwertangaben findet man Hinweise zum Zuckergehalt, oft unter der Bezeichnung Kohlenhydrate zusammengefasst. Die Bezeichnungen sind nicht immer sehr verständlich, aber im eigenen Gesundheitsinteresse sollte sich jeder Verbraucher mit den Ernährungsgrundlagen beschäftigen und beim Einkauf auf diese wichtigen Fakten achten. Einen Schutz vor Diabetes bietet auch mehr Bewegung, generell gesündere Ernährung (unverarbeitete Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte, Obst, weniger Fleisch und ungesättigte Öle), Gewichtskontrolle und Verzicht auf Rauchen und Alkoholkonsum.

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