Erst Ärzteflut, dann Ärztemangel

Viele Jahre vergingen, in denen es vor allem die jungen Ärzte schwer hatten, sich durchzusetzen. Denn die Konkurrenz war sehr groß und unter schlechten Arbeitsbedingungen konnte man nur selten Fuß fassen. Seit 2001 hat sich das Blatt gewendet. Der lang befürchtete Ärztemangel ist eingetreten und scheint immer deutlichere Formen anzunehmen. Heute wird mehr um Ärzte geworben als je zuvor. Binnen vier Jahren soll der Mangel an kompetenten Ärzten so groß sein, dass es viel zu wenige Hausärzte, Neurologen, Dermatologen und Orthopäden geben wird. Das hohe Ausscheiden aus dem Berufsleben älterer Ärzte wird als einer der Gründe für den Umschwung gesehen. Zudem scheint die ambulante Versorgung der Patienten auf die jungen Ärzte nicht mehr so attraktiv zu wirken. In diesem Zusammenhang warnte der Präsident der Bundesärztekammer davor, den Sicherstellungsauftrag der ärztlichen Selbstverwaltung auszuhöhlen, um den Wettbewerb steigern zu können. Denn im Falle einer tatsächlichen Ärzteknappheit werden sie aufgrund der Nachfrage die Bedingungen selbst bestimmen, was die soziale Gesundheitsversorgung in eine tiefe Krise stürzen könnte.

Als ein Zeichen dafür, dass der Zufluss neuer Ärzte schwindet, dienen die Zahlen der Medizinstudenten. Diese sind um 10.000 auf 95.000 gesunken. Die Zahl der Ärzte im Praktikum ist um ganze 25 Prozent auf 14.300 gefallen. Auch die Zahl der neu approbierten Ärzte ist deutlich gesunken, was für die Bundesärztekammer Anlass zur Besorgnis ist. Damit einher gehen die aktuellen Engpässe in der Weiterbildung und in der Patientenversorgung. Entgegen den Annahmen von Krankenkassen und Politik, die Zahl der Ärzte müsse aufgrund der andauernden Ärzteschwemme dezimiert werden, hat dieser Trend bereits eine drastische Wende vollzogen.

Der Mangel an fähigen Nachfolgern war bereits lange vor dem Wandel abzusehen. Denn die älteren Ärzte, die vor allem in ländlichen Gebieten nicht so viel Umsatz erzeugen konnten, um einen Weiterbildungsassistenten einzustellen, gehen einfach in den Ruhestand, ohne einen Nachfolger benennen zu können. Dadurch ist natürlich in diesen Gebieten die Nachfrage groß. Die jungen Ärzte jedoch meiden ostdeutsche ländliche Gebiete und auch den Bayerischen Wald. Demnach bleiben die alten Praxen einfach leer. Mittlerweile sind es nicht nur die Ärzte für Orthopädie, Allgemeinmedizin und Neurologie, die fehlen. Gerade in den ländlichen Regionen fehlen qualifizierte Ärzte aus allen Fachrichtungen, was nun sogar die Krankenkassen nicht mehr bestreiten können.

Die Lösungsansätze, den Ärztemangel zu beheben, sind vielversprechend. Kliniken, Politik und kassenärztliche Vereinigungen entwickeln kontinuierlich neue Konzepte und Ideen, um wieder mehr junge Ärzte zu motivieren. Vernetzungen und Kooperationen von Ärzten sowie das neue Versorgungsstrukturgesetz sollen dem Abwärtstrend die Wende bringen.

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