Es war nur gut gemeint – Die Kehrseite der Medikamente

Schmerzmittel haben Hochkonjunktur. Leistungssportler kommen nur noch selten ohne sie aus, was sich gerade bei großen Wettkämpfen abzeichnet. Aber auch in privaten Haushalten findet man kaum noch eine Hausapotheke ohne die schnellen Helfer. Die „einfachen“ Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin oder aus Paracetamol werden gemeinhin als harmlos bezeichnet. Doch Mediziner und Experten betrachten den unbekümmerten Konsum der Medikamente voller Sorgen. Durch eine allgemeine Rezeptpflicht soll dem entgegen gewirkt werden.
Als Beispiel für den sorglosen Gebrauch von Schmerzmitteln dient die Langstreckenläuferin Stephanie Ehret. Als schnellste Läuferin lief sie beim 24-Stunden-Rennen über die Ziellinie. Dieser Erfolg wurde durch den Missbrauch von Ibuprofen getrübt. Denn die Sportlerin hatte sich nach dem Lauf mehrfach zu übergeben und tagelang mit lebensgefährlich hohem Fieber zu kämpfen. So wurde bei ihr Nierenversagen diagnostiziert. Es waren mehrere Tage erforderlich, bis sie sich vollkommen von der Vergiftung erholen konnte. Außerdem hatte man Teile ihres Dickdarms entfernen müssen. Vor und während des Wettkampfes hat Stephanie Ehret insgesamt zwölf Tabletten zu sich genommen.

Sorglosigkeit durch Unkenntnis

Der Leistungssport sei laut Pharmakologen Kay Brune ein besonders risikobehafteter Bereich im Bezug auf den Missbrauch von Schmerzmitteln. Hier werden nach seiner Aussage die Schmerzmittel wie Bonbons konsumiert. Dadurch, dass die Medikamente rezeptfrei verkauft werden, sei der Konsum der selben äußerst irrational. Beim Bonn Marathon 2010 hat Brune zusammen mit Allgemeinmediziner Michael Küster etwa 8000 Sportler zu ihrem Konsumverhalten bei Schmerzmitteln befragt. Knapp die Hälfte der Läufer hatte Schmerzmittel wie Aspririn, Diclofenac oder Ibuprofen vor dem Lauf eingenommen, um etwaigen Schmerzen vorzubeugen. Nach dem Rennen wurden zahlreiche Notfälle verzeichnet, für welche die Schmerzmittel als Ursache angesehen werden.
Der Körper produziert ein Hormon namens Prostaglandin, welches die Aufgabe hat, den Blutfluss der Nieren zu erhöhen, damit die Schadstoffe unter Stress und Belastung besser aus dem Körper geschwemmt werden können. Schmerzmittel wie Ibuprofen verhindern diesen Effekt, weil sie die Ausschüttung von Prostaglandin blockieren. Dadurch kommt es im Körper zu einer Vergiftung, durch die manche Sportler schon mit Amputationen oder auch mit dem Tod konfrontiert wurden.

Irrglaube und Industrie

Die Nebenwirkungen der Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen werden von vielen Konsumenten in hohem Maße unterschätzt. Dabei helfen auch keine Beipackzettel, die über Magenblutungen und Herzinfarkte aufklären. Die Bewerbung der Präparate durch die Industrie schürt vermehrt den Irrglauben, dass die Schmerzmittel in keinem Falle schaden können. Eine Überdosierung könne man nach eigenem Ermessen verhindern. Experten und Mediziner sehen besonders diesen Aspekt äußerst kritisch. Sie sehen die Industrie in der Pflicht, über den Missbrauch der frei erhältlichen Medikamente aufzuklären. Dabei sei eine Überdosis schon durch die Einnahme von Kombipräparaten herbeizuführen, wenn man erst eine Tablette Ibuprofen zu sich nimmt und im Anschluss ein Kombipräparat konsumiert, das unter anderem die gleichen Wirkstoffe enthält. Mit dem Ziel, die Symptome einer Grippe zu lindern, kommt es hier schnell zur Überdosierung.

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