Fitness für den Kopf

Viele Studien belegen: Sport nutzt unserem Gehirn, er steigert die Denkleistung, hilft beim Stressabbau und lässt Nervenzellen spriessen. Im Vergleich von Sportmuffeln und Ausdauersportlern haben Wissenschaftler erkannt, dass bei den aktiven Studienteilnehmern unterschiedliche Hirnregionen besser vernetzt sind. Das Frontalhirn zum Beispiel, welches für schwierige Leistungen wie Entscheiden, Planen oder Analysieren zuständig ist, profitiert davon. Auch die Hirnregion des Hippocampus, zuständig für Gedächtnis, Lernen und räumliche Orientierung, vergrößert sich bei den Ausdauersportlern. Denn seit der Jahrtausendwende wissen die Forscher, das sich Hirnzellen durchaus erneuern und nicht nur absterben; vor allem im Hippocampus. Hier ist es besonders nützlich, weil diese Region das “ Eingangstor zum Gedächtnis “ bildet. Gehirnjogging, also Jonglieren oder Kartenspielen zum Beispiel, fördert das Gedächtnistraining. Den laut der Studien eindeutigsten Erfolgsbeleg fanden die Forscher einzig beim Sport; er verstärkt die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus und bremst deren Schwund in zunehmendem Alter. Studien mit Schülern belegen, das je länger die Strecke innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls war, desto besser die durchschnittlichen Leistungen in Mathematik. Umgekehrt belegte der zehntägige Verzicht von Leistungssportlern auf ihr Training eine deutliche Verschlechterung der Durchblutung ihres Hippocampus. Gemessen wurden die Werte im Magnetresonanztomographen (MRT). Eine genaue Erklärung für den Einfluss von körperlicher Aktivität auf die geistige Leistung haben die Forscher noch nicht…die Zusammenhänge sind zu komplex. Mögliche Erklärungen bisher sind die Bildung neuer Blutgefäße oder ein Protein als Schlüsselfaktor für das Spriessen neuer Hirnzellen. Wahrscheinlich ist auch eine Kombination der Wirkmechanismen und die Aktivitätssteigerung des gesamten Gehirns durch Sport, was dann auch die Denkleistung verbessert. Weitere Studien belegen nicht nur eine Verbesserung der geistigen Fitness, sondern auch die der verminderten Schmerzwahrnehmung und Entgegenwirkung bei Depressionen. Die sogenannten Neurotransmitter, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren, aktivieren das Belohnungssystem des Gehirns und vermitteln das durch den Sport erzeugte Wohlgefühl. Sport baut ausserdem Stress ab und macht den Kopf „frei“. Bei psychischer Überforderung oder wenn zu viele anstehende Entscheidungen zu treffen sind, hilft die Bewegung durch Anregung der Region des Gehirns, welche die Bewegung steuert, die Region für das Denken herunterzufahren. Danach ist dann wieder ein besseres Denken möglich. Der aktuelle Forschungsstand besagt, das Sport den mit zunehmendem Alter einhergehenden geistigen Leistungsverlust wohl nicht vollständig ausgleichen kann, aber dennoch in erstaunlichem Maß. Bereits geringe körperliche Anstrengungen wie Gartenarbeit oder Spaziergänge ergaben bei über 75-jährigen Studienteilnehmern bereits messbare positive Effekte. Experten empfehlen bisher mehrmals pro Woche 30 Minuten Sport bei moderater Belastung; immer mit Spaß und die Intensität selbst bestimmen…bei Vorerkrankungen sollte das Trainingsprogramm mit dem Arzt abgesprochen werden. Wer körperlich fit ist, kann besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben; das Gehirn braucht den vielfältigen Input, Kreuzworträtsel reichen dafür nicht aus.

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