Hohe Sterberate bei Brustkrebs

Im Kampf gegen den Krebs arbeiten Medizin und Forschung europaweit eng zusammen. Jetzt veröffentlichte eine Expertengruppe der Mailänder Universität die aktuellen Vergleichszahlen zur Todesrate der an Brustkrebs erkrankten Frauen. Für Deutschland ist das Ergebnis bitter. Nirgendwo in Europa sterben so viele Kundinnen am tückischen Tumor wie bei uns.

Mammografie-Screening zeigt keinen Erfolg

Die Zahlen lügen nicht: Von 100 000 Frauen starben im europäischen statistischen Mittel 14,9 an Brustkrebs. In Deutschland überlebten 16,5 ihre Erkrankung nicht, das sind erschreckende 10 Prozent mehr. Die Suche nach einer Erklärung für dieses schlechte Ergebnis ist nicht leicht. Seit Jahren verfolgt man mit großem Einsatz und hohem Aufwand das Ziel, die erkrankten Kundinnen zu heilen. Eine zentrale Stelle lädt seit 2005 alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zum Mammografie-Screening ein. Etwa die Hälfte von ihnen ließ sich untersuchen, was als gutes Ergebnis gewertet wird. Ein messbarer Effekt dieser Früherkennungsstrategie wurde jedoch bis heute nicht erreicht. Trotz der aufwendigen Maßnahme sind die Zahlen in dieser Altersgruppe die schlechtesten in der gesamten EU.

Ermutigende Ergebnisse bei jungen Frauen

Für Erleichterung sorgte hingegen die positive Tendenz bei der Altersgruppe bis 49 Jahre. Hier verringerten sich die Todeszahlen innerhalb von zehn Jahren um mehr als ein Drittel. Dieses Ergebnis ist auch im europäischen Vergleich beachtlich. Nur die spanische Medizin ist in der Behandlung dieser Kundinnengruppe erfolgreicher als die deutsche.

Sind Screening-Center die Lösung?

Die vorgestellten Zahlen sorgen für kontroverse Diskussionen. Während einige Experten das Massenscreening als sinnlos oder gar gefährlich ansehen, halten andere daran fest. Das Robert-Koch-Institut schlägt vor, die Aktion bis mindestens 2015 fortzusetzen. Erst dann könnten belastbare Zahlenwerte erreicht sein. Unterstützung findet das bei den Krankenkassen. Diese mahnen jedoch gleichzeitig Verbesserungen bei der Durchführung an und fordern überregionale Screening-Center. Der Hintergrund dieses Vorschlages ist der Verdacht, dass überweisende Ärzte nicht in jedem Fall die Qualität des Röntgeninstitutes zum Maßstab ihrer Entscheidung machen.

Auf der Suche nach der optimalen Therapie

Viele Fragen sind ungeklärt, darüber sind sich die Fachkreise einig. Kassenvertreter fordern eine intensivere Betreuung der Frauen, die mit der niederschmetternden Diagnose Brustkrebs konfrontiert sind. Ebenfalls notwendig ist nach ihrer Ansicht eine Verringerung des zeitlichen Abstandes zwischen erster und zweiter Diagnose. Auch das statische deutsche Behandlungsschema steht in der Kritik. Angeregt werden Therapieansätze, die sich individuell an den betroffenen Kundinnen orientieren. Immer noch und immer wieder wird eine verstärkte Ursachenforschung angemahnt. Sind Hormone, Ernährung oder vielleicht doch Umwelteinflüsse Auslöser für Brustkrebs? Diese Fragen müssen beantwortet werden, damit irgendwann dieser Albtraum aller Frauen keine Todesopfer mehr fordern wird.

 

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