Hygienewahn

Immer mehr Menschen benutzen antibakterielle Tücher oder Gele, schließlich kommt man doch im Alltag ständig mit Bakterien und Viren in Berührung. Bei der Begrüßung mit Handschlag, beim Festhalten an der Stange im Bus, beim Weiterreichen von Geldmünzen und Scheinen, beim Drücken von Schaltern und Knöpfen und und und! Im Normalfall würde man sich zuhause die Hände gründlich waschen, vielen reicht das jedoch heutzutage aus Angst vor Infektionen nicht mehr. Sie greifen zu mitgeführten antibakteriellen Reinigungstüchern-oder fläschchen, die sich ja gut in der Handtasche oder Jacke verstauen lassen. Hygiene-Experten sehen den Einsatz dieser Mittel jedoch sehr kritisch; sie halten das gründliche Händewaschen für ausreichend. Viele Keime werden damit einfach mechanisch weggespült. Wichtiger ist, sich unterwegs nicht mit den Händen an Mund und Augen zu fassen.

Gute Gründe für den Einsatz solcher Mittel sehen die Experten jedoch auf Fernreisen, denn mit den fremden Mikroorganismen etwa in Afrika oder Asien muss sich unser Darm erst auseinandersetzen, an die heimischen ist er gewöhnt und angepasst. Ein besonderes Risiko, auch in heimischen Gefilden, besteht, wenn man Kontakt mit kranken Menschen hatte, auf der Toilette war oder von einer Hundezunge abgeleckt wurde, ohne sich danach die Hände waschen zu können. Für diese Fälle empfehlen die Experten spezielle VAH-geprüfte Produkte, die als hygienische Händedesinfektionsmittel zertifiziert sind und in Apotheken erhältlich sind. Richtiges Händewaschen bedeutet: die Hände gründlich einseifen, unter fließendem Wasser abspülen und mit einem sauberen Handtuch abtrocknen. Der Zeitaufwand sollte etwa 20 Sekunden betragen, dann sind die meisten Bakterien und Viren beseitigt. Die absolute Keimfreiheit läßt sich übrigens auch mit Hygienetüchern, egal ob geprüft oder ungeprüft, nicht erreichen. Die darin üblicherweise enthaltene Alkoholkonzentration kann für manche Keime zu niedrig sein; es gibt Bakterien und Viren, wie zum Beispiel den Norovirus (der schlimmsten Brechdurchfall verursacht), die auch diese Form der Reinigung überstehen können. Ein weiteres Risiko bei der Benutzung von Hygienegels besteht in der Austrocknung der Haut oder auch dadurch entstehenden Hautschädigungen. Bei einer diesbezüglich durchgeführten Studie (24 Produkte getestet) kam es in mehreren Fällen zum Fund von Inhaltsstoffen, die die Haut durchlässiger machen und Allergien auslösen können.

Wer sich unbedingt desinfizieren möchte, sollte auf ein professionelles Mittel, wie es in Krankenhäusern benutzt wird und welches keine Parfüm- oder Farbstoffe enthält und weniger allergieauslösende Stoffe, zurückgreifen. Auch bei Verbraucherschützern stehen die Gele und Tücher in der Kritik; sie kosten Geld und können eine schädigende Wirkung haben. Unser Immunsystem wird durch das ständige Abtöten von Bakterien und Viren nicht geschult. Auch belaste die Herstellung und Entsorgung dieser Mittel die Natur.

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