Kassen sollen Organspende-Votum anstupsen

Nachdem monatelang hinter verschlossenen Türen über eine Veränderung des Transplantationsgesetzes diskutiert wurde, gewinnt die Debatte jetzt auch immer mehr an öffentlichem Interesse und an Tempo. Nachdem die Abgeordneten aller Fraktionen im Bundestag eine Grundsatzeinigung über eine Neuregelung der Organspende erreicht hatten wurde schließlich ein neuer Gesetzesentwurf vorgelegt.

Der amtierende Bundesgesundheitsminister, Daniel Bahr von der FDP, lobte den Antrag als einen enormen Erfolg, da es wichtig sei über die Gewebe- und Organspende zu informieren. Bahr sagte außerdem, dass jeder der selbst keine eindeutige Entscheidung in Form eines Organspendeausweises trifft, seine Angehörigen eine Entscheidung auflastet. Diese Entscheidung müsse dann oft in schwierigen Situationen getroffen werden und sollte deshalb besser selbst zu Lebzeiten geklärt werden. Nach dem neuen Gesetzesentwurf soll jeder Bürger der Bundesrepublik in die Lage versetzt werden, sich ernsthaft mit der Frage nach seiner persönlichen Spendebereitschaft zu befassen. Dazu soll jeder Bürger über 16 Jahre ausdrücklich dazu aufgefordert werden eine Entscheidung betreffend der Organspende abzugeben. Dieses Modell würde dann an die Stelle der derzeit geltenden so genannten „erweiterten Zustimmungslösung“ treten.

Um dies umzusetzen sollen neben den Bundes- und Landesbehörden auch insbesondere die gesetzlichen Krankenkassen sowie die Unternehmen der PKV-Branche in die Pflicht genommen werden. Sie sollen den Versicherten die Möglichkeiten der Gewebe- und Organspende erklären und ausreichend darüber informieren, darüber hinaus soll auch über die Voraussetzungen der Orangentnahme bei toten Spendern aufgeklärt werden.

Dabei solle auch der Nutzen für kranke Menschen, welche auf eine Organ- bzw. Gewebespende angewiesen sind erklärt werden. Die Vorgabe für die Aufklärung ist laut Bahr, dass die Aufklärung ergebnisoffen ist, und die komplette Tragweite der Entscheidung umfasst. Bahr hält eine Information und Aufklärung der Menschen über die Krankversicherungen für den besten Weg da das Thema seiner Meinung nach durchaus als „sensibel“ zu bezeichnen ist. Deswegen soll es Aufgabe der Kassen sein „fachlich qualifizierte Ansprechpartner“ für eventuelle Rückfragen der Versicherten zu benennen.

Im Gesetzesentwurf wird auch vermerkt, dass die elektronische Gesundheitskarte in Zukunft als Speichermedium der gefällten Entscheidung zur Organspende dienen soll. Dies liegt daran, dass das Informationsmaterial, welches die Versicherten zur Organspende bekommen, gemeinsam mit der neuen Gesundheitskarte zu gesendet werden soll. Versicherte, die noch keine Gesundheitskarte erhalten haben, auf der die Entscheidung gespeichert werden kann, sollen alle zwei Jahre erneut Informationsmaterial erhalten. Die Dokumentation der Entscheidung auf der Gesundheitskarte soll allerdings freiwillig sein, und als Ausweichverfahren soll weiterhin die Papierform des Organspendeausweises genutzt werden.

Die derzeitigen Gesundheitskarten erfüllen allerdings die Voraussetzungen für eine derartige Nutzung überhaupt nicht und Vorläufermodelle von Karten, die die Voraussetzungen erfüllen sollen frühestens im Jahr 2014 getestet werden.

Kommentieren