Länger leben durch hohen Blutdruck

Die Körper älterer Menschen scheinen eher positiv auf einen höheren Blutdruck zu reagieren als die jüngerer Menschen. In einer epidemiologischen Studie hat man nun herausgefunden, dass gebrechliche ältere Menschen sogar länger leben, wenn sie einen hohen Blutdruck aufweisen. Die Ergebnisse der Studie deuten zumindest an, dass im höheren Alter der Zusammenhang zwischen hohem Blutdruck und Mortalität gegenüber den jüngeren Altersklassen sinkt oder gar ganz ausbleibt. In der Konsequenz würde das bedeuten, dass das Senken des Blutdrucks im Alter auch keinen medizinischen Nutzen hätte. Ältere Menschen, die hingegen noch sehr gesund sind, sollten dennoch auf die Reduktion der Hypertonie zurückgreifen. Kranke und gebrechliche Menschen im hohen Alter profitieren eher von einem hohen Blutdruck.

Der Gehtest gibt Hinweise auf Gebrechlichkeit

Im Zuge der Studie wurden Teilnehmer einer repräsentativen Erhebung zum Gesundheitszustand der US-Bevölkerung untersucht. Bei den 2340 untersuchten Personen handelte es sich um Menschen im Alter von über 65 Jahren. Ob die Menschen im Einzelfall gebrechlich waren oder nicht, stellte sich durch einen einfachen Gehtest heraus, beziehungsweise die Zeit, die sie für den Test brauchten. Nach Betrachtung der Ergebnisse hat man die Personen in drei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt. In zwei der drei Gruppen waren Menschen eingeordnet, die die vorgegebene Strecke schnell oder langsam zurücklegen konnten, mit einer Geschwindigkeit von über oder unter 0,8 Metern pro Sekunde. Der dritten Gruppe wurden die Personen zugeordnet, welche die Strecke nicht komplett laufen konnten. Die gesunden Menschen, welche die Strecke problemlos und schnell geschafft haben, waren demnach gesund und hatten dennoch einen höheren Blutdruck. Hier wurde eine erhöhte Mortalität festgestellt. Das Sterberisiko lag im Schnitt um 35% höher. Die langsam gehenden Personen hatten einen normalen Blutdruck, dessen Werte keinen Zusammenhang zwischen Blutdruck und Mortalität aufweisen konnten.

Die gebrechlichen Menschen, die die Strecke gar nicht geschafft haben, zeigten umgekehrte Ergebnisse. Bei ihnen wurden hohe Blutdruckwerte mit einem deutlich geringeren Sterberisiko assoziiert. Das Risiko war bei hohen systolischen und diastolischen Werten sogar um relative 62% niedriger. Als Vergleich wurden immer die normalen Blutdruckwerte herangezogen. Der erhöhte Blutdruck könnte bei gebrechlichen Menschen eine Reaktion des Körpers sein, um die sinkende Elastizität der Gefäße zu kompensieren. So würden nämlich die Organe und das Gehirn weiterhin gut mit Blut versorgt werden können. Nach Aussage der Forscher solle man nun aber keine direkten Schlüsse in Bezug auf die Therapien ziehen, wenn es um den Zusammenhang zwischen Blutdruck, Gebrechlichkeit und Mortalität geht. Ob der hohe Blutdruck die älteren gebrechlichen Menschen aber vor Krankheiten schützt, müsse noch in weiteren Forschungen geklärt werden.

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