Medikation ist geschlechtsabhängig

Berichte der Techniker Krankenkasse und der Barmer GEK zeigen unter anderem, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht nur anatomischer Natur ist. Auch in den Arztpraxen werden mehr und mehr Unterschiede deutlich. Den Frauen werden im Allgemeinen nicht nur andere, sondern auch mehr Rezepte ausgestellt als den Männern. Die erhöhte Medikation bei Frauen zeigt sich vor allem in der Art der Medikamente. So werden laut des Barmer GEK-Berichts noch immer klassische Geschlechterrollen in der medizinischen Behandlung gesehen. Während Männer häufiger auf körperliche Symptome behandelt wurden als Frauen, war deutlich zu erkennen, dass den Frauen mehr Präparate für das seelische Heil verschrieben wurden.

Dadurch ergeben sich auch statistisch gesehen schwerwiegende Konsequenzen für die Frauen. Schlafmittel und Tranquilizer haben mittlerweile rund 1,2 Millionen Abhängige zu verantworten. Von dieser Zahl machen Frauen im höheren Alter etwa zwei Drittel aus. Es wird vermutet, dass Frauen sich eher ihrem Hausarzt anvertrauen als Männer und aus dem Grund auch auffallend mehr Psychopharmaka verschrieben bekommen. Der Arzneimittelreport 2012 der Barmer GEK zeigt auf, dass Ärzte zweimal so vielen Frauen wie Männern Antidepressiva, Betablocker, Hypnotika etc. verschreiben. Hier wird besonders kritisiert, dass sich die Frauen oft an die verordneten Mittel gewöhnen und aus dem Grund unnötig viele weitere Arzneien verschrieben bekommen, weil sie andernfalls ihren Alltag nicht bewältigen können.

Allerdings sollte man den präsentierten Zahlen keinen allzu repräsentativen Charakter zusprechen, weil Benzodiazepine nach Aussage der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zu einem großen Anteil auf Privatrezept verschrieben werden, damit bei den Krankenkassen keine Auffälligkeiten entstehen. Hier muss aber auch beachtet werden, dass deutlich weniger Männer an Herzinfarkten sterben als Frauen, weil die entsprechenden Symptome bei den weiblichen Patienten oft nur sehr spät erkannt werden. Dadurch steigt das Risiko, nicht angemessen und nicht rechtzeitig behandelt zu werden.

Auch der Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse kam zu ähnlichen Zahlen. Diesen zu Folge werden Psychopharmaka häufiger Frauen verschrieben, weil sie nach den vorliegenden Daten häufiger unter psychischen Störungen leiden. Eine Ursache hierfür könnte sein, dass deutlich mehr Frauen in Dienstleistungsberufen wie in der Pflege oder in einem Callcenter arbeiten, wo die psychische Belastung intensiver sei. Auch Pendler sollen anfälliger für Depressionen und psychische Störungen sein als Beschäftigte, die in der Nähe ihres Arbeitsortes leben. Die Pendler seien laut der Studie zwar nicht öfter krank als die übrigen Beschäftigten, allerdings liege die Zahl der psychisch bedingten Ausfälle markant höher. Die doppelte Belastung durch Beruf und Familie sei ein Gesundheitsrisiko, das vor allem durch die Betriebe selbst und entsprechende Programme gemindert werden könne.

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