Palliativärzte in der Grauzone

Trotz des erheblichen Bedarfs zieht sich die Debatte um die Versorgung von Schmerzpatienten mit Betäubungsmitteln wie Kaugummi. Es sind zwar „Lösungsansätze“ in Planung, aber immer noch gibt es keine konkreten Ergebnisse. Die Gespräche dazu laufen schon einige Monate mit dem Bundesgesundheitsministerium. In der Planung ist wohl eine Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Palliativmedizinern, beide wurden aufgefordert hierzu Vorschläge zu unterbreiten. Parallel muss eine Liste der Betäubungsmittel erarbeitet werden, die für die ambulanten palliativmedizinischen Krisensituationen benötigt werden. Diese Liste liegt schon vor und soll Mitte August diskutiert werden. Zudem sollen alle Aspekte einer Änderung des Betäubunsmittelrechts geprüft werden. Der Deutsche Richterbund gibt den Palliativmedizinern recht: Die Regelungen seien mit Blick auf die Verordnung von Schmerzmedikamenten für Sterbenskranke reformbedürftig. Ärzten ist immer noch nicht erlaubt, Betäubungsmittel beim Patienten zu belassen. Allerdings fordern die Palliativmediziner schon lange, dass sie ihren Patienten über Nacht oder an Wochenenden starke Schmerzmittel überlassen dürfen.

Wir als Palliativpflegedienst finden diesen Zustand unhaltbar. In Krisensituationen sind wir nicht in der Lage beim Patienten vor Ort adäquat zu reagieren. Seit 2007 ist die palliativmedizinische Versorgung im Gesetz verankert und für jeden Bürger – auf dem Papier – zugänglich. Trotzdem behandelt man uns und die Palliativmediziner wie kleine Schulkinder, die man an einer möglichst kurzen Leine halten muss. So werden wir nie eine zufriedenstellende Versorgung für unsere sterbenskranken Menschen erlangen, die gerne ihre letzten Tage und Stunden zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung verleben und – symptomfrei sterben möchten.

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