Polyneuropathie

Bei dieser Krankheit ist das sogenannte periphere Nervensystem, also die Nervenfasern außerhalb des Gehirns und Rückenmarks, geschädigt. In den meisten Fällen kommt es zu Empfindungsstörungen der Füße und Beine, seltener der Finger, Hände, Arme oder des Rumpfes. Je nachdem welche der peripheren Nerven betroffen sind, können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen reagieren mit Kribbeln, Überempfindlichkeit, Kältegefühl oder auch Lähmungen. Andere verspüren Taubheit oder ein Brennen in den betroffenen Regionen. In Deutschland leiden nach Schätzungen von Neurologen fünf Millionen Menschen an Polyneuropathien; wahrscheinlich liegt diese Zahl noch höher, da diese Erkrankung oft erst sehr spät oder auch gar nicht erkannt wird.

Nicht jedem Patienten kann der Arzt die genaue Ursache seiner Beschwerden benennen, denn mögliche Auslöser gibt es viele. Bei rund 80 Prozent der Betroffenen liegt ein Diabetes mellitus oder Alkoholabusus als Ursache vor; auch Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, leiden oft als Folge dieser Behandlung unter Polyneuropathien. Schwerer lassen sich Auslöser wie Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Vergiftungen, Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen sowie auch Infektionen wie z.B. Borreliose feststellen; hier gilt dann nach Diagnostik die Ursache in der Patientenakte als unklar. Bei Neuropathien kann es auch eine erbliche Vorbelastung geben. Die Diagnostik ist oft langwierig; viele Betroffene suchen erst sehr spät einen Arzt auf und auch die gängigen Diagnose-Methoden zeigen nicht immer ein klares Ergebnis. Bei Neuropathien ohne klare Ursache werden die Muskelfunktion und die Nervenleitgeschwindigkeit getestet; ebenfalls Reflexe und die Analyse von Urin, Blut und Nervenwasser. Teilweise entnimmt man ein winziges Stück eines Nerven, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Diese Untersuchung klärt, welche Nerven betroffen sind und ob ihr Kern oder die Hülle angegriffen sind. Das lässt dann Rückschlüsse auf die Ursache zu.

Die Suche nach dem richtigen Medikament für den einzelnen Betroffenen ist schwierig und auch langwierig; oft müssen mehrere verschiedene Präparate getestet werden und häufig kommt es zu unangenehmen Nebenwirkungen. Ist der Auslöser der Erkrankung bekannt, wird dieser behandelt. Bei entzündlichen Formen setzt man Immunglobuline und Kortison ein; bei Diabetikern mit nachgewiesenem Vitamin B1-Mangel hilft bisweilen die Vitaminvorstufe Benfothiamin.  Es haben sich vor allem Epilepsie-Medikamente und bestimmte Antidepressiva in der Behandlung bewährt, sie schwächen die Symptome ab. Zusätzlich müssen die Patienten individuell herausfinden, was ihnen noch Erleichterung verschaffen kann. Möglichkeiten sind Sport, Aquagymnastik, Gehtraining, Wechselduschen, Massagen und Eincremen. In einer Physiotherapie kann der Patient Gleichgewichtsübungen und Balancetraining auch als Eigenprogramm für zuhause erlernen; ebenfalls können dort gemeinsam geeignete, individuelle Hilfsmittel gefunden werden. Sehr hilfreich ist auch der Besuch von Selbsthilfegruppen, denn bei einer Erkrankungen mit so vielen unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungen und auch Behandlungsmöglichkeiten ist der Austausch untereinander sehr wichtig und kann auch Ängste und Sorgen lindern. Auch kann der Besuch von neurologischen Fachvorträgen für Betroffene das Wissen um die Erkrankung stets verbessern und somit den Umgang mit einer Polyneuropathie erleichtern.

Kommentieren