Thrombose

Das Blut, das mit fünf bis sechs Litern ständig durch den Kreislauf eines jeden Menschen zirkuliert, hat mehrere wichtige Aufgaben. Es transportiert Nähr- und Abfallstoffe und Sauerstoff an ihren Bestimmungsort, es kann Krankheitserreger bekämpfen, ist an der Regulierung der Körpertemperatur beteiligt und kann bei Verletzungen verklumpen. Eben diese Fähigkeit der Gerinnung stellt sicher, dass wir wegen eines kleinen Schnittes nicht sofort verbluten, sondern dass sich die Wunde wieder verschließt. Dieser Schutzmechanismus kann aber zur Gefahr werden: wenn das Blut in den Gefäßen verklumpt.

Ein solcher Blutklumpen oder Propf heißt in der Fachsprache Thrombus, ein Blutgerinnsel. Solch ein Gerinnsel kann nicht nur Gefäße verschließen, sondern als Folge auch die Lungen „lahmlegen“. Laut Experten sterben in Deutschland jährlich etwa 40000 Menschen an einer solchen Lungenembolie. Ärzte warnen, dass dennoch Thrombosen von vielen noch unterschätzt werden. Es gibt drei Faktoren (die Virchow’sche Trias), die einzeln oder zusammen zu einem Gerinnsel führen: ein verlangsamter Blutfluss in den Gefäßen durch z.B. lange Bettlägrigkeit, beschädigte Gefäßwände und drittens eine erhöhte Gerinnungsneigung. Nicht nur Alte und Kranke sind von Thrombosen betroffen, sondern auch durchaus bisher Gesunde und jüngere Menschen. Um die Entstehung eines Blutgerinnsels vorweg zu vermeiden, empfehlen Mediziner vor allem Bewegung; die Muskelpumpe der Beinmuskulatur wird durch Radfahren, Spazierengehen, Langlaufen, Schwimmen oder Treppensteigen stark gemacht und fördert somit den Blutfluß in den Beinvenen ( wo Thrombosen besonders häufig entstehen) und halten den Kreislauf auf Trab. Trainingsformen wie Krafttraining oder Bodybuilding sind nicht geeignet, hier kann der erhöhte Druck die Venen noch zusätzlich belasten.

Langes Stehen und Sitzen ist ebenfalls schlecht für die Venen; in vielen Berufen ist das aber kaum zu vermeiden. Doch auch während der Arbeit können Übungen zur Venengymnastik mit wenig Aufwand durchgeführt werden: die Füße können unter dem Schreibtisch bewegt werden und im Stehen kann man auf den Füßen „wippen“.  Ausreichend trinken und Übergewicht abbauen sind ebenfalls Faktoren für gesunde Blutgefäße. Nicht alle Risikofaktoren lassen sich jedoch mit Vorsorgemaßnahmen ausschalten; eine erbliche Veranlagung oder steigendes Alter erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose. Zudem kann bei Frauen eine Schwangerschaft oder die Einnahme der Antibabypille die Gefahr von Thrombosen erhöhen; ebenso eine Tumorerkrankung. Selten ist ein Faktor der Auslöser, meist macht das Zusammenspiel von zwei und mehr Faktoren den Unterschied.

Internationale Studien haben belegt, daß sich Krankenhausaufenthalte und Operationen eindeutig negativ auf das Risiko für ein Blutgerinnsel auswirken. Ohne entsprechende Vorbeugung erleiden bis zu 80 Prozent aller Patienten auf chirurgischen Stationen eine Venenthrombose. Die Bettlägrigkeit nach Eingriffen, besonders an Gelenken, macht die Entstehung von Gerinnseln wahrscheinlicher. Hier setzt die in Deutschland überall standardisierte Thromboseprophylaxe in Form von Medikamenten (niedermolekulares Heparin als Blutverdünner) und Thrombosestrümpfen an. Manchmal müssen Patienten nach stationärer Behandlung wegen einer Thrombose weiter auch nach dem Klinikaufenthalt Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen. Grundsätzlich ist die medikamentöse Thromboseprophylaxe für alles und jeden nicht zu empfehlen, wie zum Beispiel auf Langstreckenflügen. Hier brauchen nur bestimmte Patienten entsprechende Arzneien und stimmen das mit ihrem Arzt ab; Reisende sollten ansonsten Stützstrümpfe tragen, ausreichend trinken und an Bewegung denken, so bleibt das Blut im Fluß. Warnsignale für eine Thrombose sind: Spannungsgefühle und Schwellungen an Knöcheln, Unterschenkeln oder dem ganzen Bein; einseitige Wadenschmerzen, die nicht nachlassen und sich wie Muskelkater anfühlen; die Überwärmung eines Beins und in fortgeschrittenem Stadium die Blauverfärbung der Haut und geschwollene Knöchel. In diesen Fällen sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden!

 

Kommentieren