Werden Männer unfruchtbar?

Laut einer dänischen Studie, die mit 1,5 Millionen männlichen Personen der Jahrgänge von 1945 bis 1980 durchgeführt wurde, sinkt die Zeugungsfähigkeit von Männern.

Während laut den ermittelten Daten der Studie im Jahrgang 1945 noch durchschnittlich 1,91 Kinder auf einen Mann kamen, waren es bereits 1960 nur noch 1,71 Kinder pro Mann. Währenddessen stieg der Anteil der Männer, die überhaupt keine Kinder zeugten von knapp 15 % im Jahrgang 1945 auf etwa 22 % im Jahrgang 1960.

Erwartungsgemäß stieg über diesen Zeitraum auch das durchschnittliche Alter, das der Vater bei der Geburt seines ersten Kindes erreicht hatte. Während dieses im Jahr 1945 bei 26 Jahren gelegen hatte, lag es im Jahr 1960 bereits bei 29 Jahren, was unter Beachtung des relativ kurzen Zeitraums (gerade einmal 15 Jahre) ein beachtlicher Anstieg ist.
Schließt man außerdem die Kinder aus, welche unter Zuhilfenahme von assistierter Reproduktion gezeugt und geboren wurden, ist die Differenz zwischen den Fertilitätsraten bei den Männern noch deutlicher:
Die Rate sank von ursprünglich 1,71 auf 1,69 für den 1960er-Jahrgang und von rund 1,43 auf 1,40 für den Jahrgang der in den 1970er-Jahren geborenen Männer.
Hierbei berücksichtigen die Autoren der Studie jedoch nicht die Technik der intrauterinen Insemination, durch welche der Einfluss von assistierter Reproduktion praktisch noch größer ausfallen dürfte.

Die sinkenden Fertilitätsraten bei Männern sind laut den Autoren mit Sicherheit zum Teil auf sozioökonomische Einflüsse zurückzuführen. Als Beispiel geben Professor Niels E. Skakkebaek und seine Kollegen von der Universität Kopenhagen an, dass die Entscheidung zur Gründung einer eigenen Familie von Angehörigen der jüngeren Jahrgänge oft hinausgeschoben wird.
Dabei beachten die Männer allerdings nicht, dass das Risiko dauerhaft kinderlos zu bleiben mit zunehmendem Alter deutlich steigt, da die Fruchtbarkeit der Partnerin abnimmt.

Auch der gestiegenen Akzeptanz gegenüber der Homosexualität spricht man an der Universität in Kopenhagen einen Einfluss auf den Rückgang der Fertilitätsrate zu. So sei es bei den früheren Jahrgängen üblich gewesen, dass ein homosexueller Mann trotz seiner sexuellen Orientierung mit einer Frau zusammenlebte und mit ihr Kinder hatte.

Trotz der vielen Faktoren, welche diesen Prozess beeinflussen, sehen die Forscher in der Kombination dieser Faktoren einen Hinweis auf eine dauerhafte Verschlechterung der Zeugungsfähigkeit von Männern. Genannt werden die Faktoren Fertilitätsrate, überproportionaler Anstieg der Zahl kinderloser Männer im Vergleich zu Frauen (eine weitere dänische Studie legt diesen Schluss nahe) und der steigende Bedarf nach assistierter Reproduktion.

Weitere dänische Daten, welche durch Skakkebaek und sein Team ausgewertet wurden, belegen eine weitverbreitete verminderte Qualität der Spermien innerhalb der jungen Bevölkerung. Dies untermauert die Theorien von Skakkebaek.

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