Pflegedienst für Aidskranke muss aufgeben

Der letzte Pflegedienst einer Aids-Hilfe in Deutschland muss Ende des Jahres schließen. Wie die Patienten in Zukunft betreut werden sollen, ist allerdings ungewiss.

Etwas mehr als 20 Jahre nach der Gründung steht nun der letzte deutsche Pflegedienst einer Aids-Hilfe vor dem aus. Der „Regenbogendienst“ muss zum 31. Dezember dieses Jahres schließen, da ein seit Jahren anhaltendes finanzielles Defizit keinen Spielraum für eine andere Entscheidung ließ.

Diese Entscheidung bedeutet sowohl für die 5 Mitarbeiter und drei Aushilfen des Pflege- und Hauswirtschaftsdienstes als auch für die rund 100 betreuten Patienten „schlicht eine Katastrophe“ so Stefan Mayer, Vorstand der Aids-Hilfe in Frankfurt am Main. Allerdings betonte er auch, dass es unter den derzeitigen Voraussetzungen keine Alternative gebe.
In Frankfurt am Main leben derzeit zwischen 3000 und 5000 HIV-Infizierte Menschen, 1300 von ihnen sind aidskrank. Im Verhältnis zu Einwohnerzahl liegt Frankfurt am Main damit noch vor den, oft als Aids-Hochburgen bezeichneten Städten, Berlin und Köln.

Der Regenbogendienst wurde im Jahr 1989 gegründet, als der Höhepunkt der Ausbreitung von Aids erreicht war. Die meisten Patienten starben zu dieser Zeit nach einem kurzen und schweren Krankheitsverlauf. Oft wandten sich Familie und Freunde zu dieser Zeit von Patienten ab, weswegen diese vereinsamt starben. Aids betraf besonders Schwule und Drogenkonsumenten, welche von den meisten herkömmlichen Pflegediensten abgelehnt wurden.

Man wollte in Kooperation mit der Infektionsambulanz der Universitätsklinik Frankfurt am Main eine Anlaufstelle schaffen, bei der sich die Patienten sicher und wohlfühlen können, und welche außerdem den teilweise besonderen Lebensweisen der Patienten gerecht wird.
Da eine derartige Pflege allerdings sehr viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt, war man von Beginn an auf Unterstützung von Spendern und Sponsoren angewiesen.

Momentan muss die Aids-Hilfe jährlich 690.000 Euro aufwenden, um den Regenbogendienst zu finanzieren, darin sind sämtliche Personal- und Sachkosten eingeschlossen.
360.000 Euro tragen Kranken- und Pflegekassen und rund 80.000 Euro schießt die Stadt zu, erklärt Achim Teipelke. Eine Sponsorenveranstaltung brachte jährlich weitere 100.000-150.000 Euro ein. Ebenso groß war jedoch die jährliche Finanzierungslücke, welche trotz ständig steigender Spendeneinnahmen nicht geschlossen werden konnte.
Allein deshalb hätte man die Entscheidung zur Schließung des Dienstes treffen müssen, so Teipelke weiter.

Das größte Problem sieht Pflegedienstleiterin Medack in den sehr langen Fahrtzeiten. Der Regenbogendienst betreut im Gegensatz zu anderen Pflegediensten Patienten aus dem gesamten Stadtgebiet. Selbst nach Offenbach fahren die Mitarbeiter, ohne dass die Kosten für den Fahrtweg nur annähernd von den Kassen übernommen würden.

Als Lösung steht die Weiterführung des Dienstes unter einem anderen zahlungsfähigeren Träger zur Diskussion. Auch wenn dadurch die Eigenständigkeit verloren gehen sollte, sei es „wichtig, dass es weitergeht“, da es besonders schade wäre, wenn das „Know-How verloren geht“ welches sich der Regenbogendienst im Laufe der Jahre angeeignet hat.

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