Alkoholismus – die Sucht zähmen

Um Abhängigen zu helfen, ihre Trinkmenge zu reduzieren, hat der Gemeinsame Bundesausschuss in 2015 eine wegweisende Entscheidung getroffen: ein neues Medikament, das Süchtigen hilft weniger Alkohol zu trinken, ist nun erstattungsfähig. Bisher galt das nur für Abstinenz unterstützende Arzneimittel. Der Wirkstoff Nalmefen hat bereits seit 2013 die europäische Zulassung und die Hersteller planen jetzt die Einführung des Medikamentes für den Herbst. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dann, bei Verordnung von Nalmefen durch die Hausärzte, die Kosten für zunächst maximal drei Monate, in begründeten Einzelfällen auch noch einmal weitere drei Monate. Die Wirkung von Nalmefen setzt an sogenannten Opioid-Rezeptoren auf bestimmten Gehirnzellen an und macht somit das Trinken von Alkohol deutlich weniger attraktiv. Der Patient soll somit nur bei Bedarf eine Tablette zu sich nehmen, am besten ein bis zwei Stunden vor einer trinkträchtigen Situation. Nötigenfalls kann das Medikament auch zusammen mit dem ersten alkoholischen Getränk eingenommen werden. Laut forschenden Medizinern haben die Hausärzte nun eine Möglichkeit, den riskanten Alkoholkonsum ihrer Patienten zu reduzieren und somit auch das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herz- und Hirninfarkte oder Leberschäden zu senken. Es ist schon ein medizinischer Fortschritt, wenn durch Nalmefen die Trinktage reduziert werden. Auch Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie befürworten diese neue Option als Hilfe für nicht schwer Abhängige, mithilfe des Medikamentes ihren Konsum zu verringern. Dennoch gilt die Warnung der Mediziner zur Überschätzung der Wirkung des Medikamentes, denn der Abhängige muss auch motiviert sein, das eigene Trinkverhalten zu verändern.

Es gibt jedoch auch kritischere Ansichten von Suchtexperten; sie halten das Medikament im therapeutischen Ansatz wegen eines zu kleinen Effektes für zu teuer und somit überflüssig. Für Menschen , die zum Beispiel regelmäßig zwei Liter Bier trinken, wäre die Wirkung von Nalmefen klinisch völlig unbedeutend. Der Süchtige sollte daher anstreben, zu einem risikoarmen Trinkverhalten zu kommen. Nach heutigem Stand der Forschung liegt dabei die Grenze bei gesunden Männern bei täglich höchstens zwei Trinkeinheiten, also 24 Gramm Alkohol, für gesunde Frauen gilt hierbei die Hälfte, demnach zum Beispiel ein Achtelliter Wein, zwei Zentiliter Schnaps oder ein Viertelliter Bier. Zudem sollten Frauen und Männer an zwei Tagen pro Woche eine Trinkpause einlegen. Gänzlich auf Alkohol verzichten sollten Schwangere und Autofahrer und Menschen, die Medikamente einnehmen.

Hausärzte haben durch das neue Medikament nun jedoch die Möglichkeit, das Trinkverhalten ihrer Patienten anzusprechen. Der Nutzen läge nach Meinung der Suchtexperten darin, dass Patienten von ihrem Arzt mittels der Verordnung des Medikamentes darin unterstützt werden, weniger zu trinken. Die größte Veränderung des Verhaltens vollziehe sich nicht durch die pharmakologischen Eigenschaften des neuen Medikamentes, sondern durch die begleitenden Gespräche. Laut entsprechender Studien veränderten bereits circa 20 Prozent der Studienteilnehmer ihren Alkoholkonsum aufgrund des Erstgesprächs und ohne Medikament innerhalb von zwei Wochen in den unproblematischen Bereich. Die Kontrollgruppe, die zusätzlich zu der Beratung nur ein Scheinmedikament erhielt, trank nach sechs Monaten rund 40 Prozent weniger als zuvor. Für einige Suchtforscher also der Beleg, Trinkprobleme ohne Medikamente in den Griff zu bekommen. Suchtexperten der Ev.Hochschule Nürnberg erforschen seit drei Jahrzehnten Alkoholismus und haben dabei Therapien entwickelt, mit deren Hilfe Alkoholiker und Suchtgefährdete lernen sollen, kontrolliert zu trinken. Unter Suchtexperten wird das Konzept kontrovers diskutiert; einerseits die Frage, ob kontrolliertes Trinken für Alkoholabhängige ein sinnvolles oder auch erreichbares Ziel darstellt, hier gilt die Meinung, dass Sucht durch Alkoholtoleranz, Kontrollverlust, Trinkzwang und Entzugserscheinungen definiert ist und nur Abstinenz den Alkoholiker wieder frei in seinen Handlungen mache. Andererseits die Meinung, dass dem Patienten natürlich zur Abstinenz geraten werden müsse, jedoch die Reduzierung der Trinkmenge schon besser sei als gar keine Veränderung. Ein weiteres Argument für Therapien, die kontrolliertes Trinken zum Ziel haben, ist, dass sich nur circa fünf Prozent aller Alkoholabhängigen in Deutschland einer Entwöhnungstherapie unterziehen. Davon bleiben etwa ein Drittel ein Jahr lang abstinent. Um mehr Menschen als bisher zu erreichen, fordern einige Experten, dass Abhängige frei entscheiden dürfen, ob sie abstinent leben oder weniger trinken wollen und dann dazu entsprechende Therapieangebote erhalten. Die Wahlmöglichkeit wird dadurch eingeschränkt, dass nur Kosten für Therapien mit dem Ziel der Abstinenz erstattet werden. Es gibt natürlich auch immer Menschen, die ihre Sucht mithilfe von Angehörigen, Freunden und Selbsthilfegruppen oder aus eigener Kraft bewältigen, doch darüber gibt es keine genauen Zahlen. Letzlich liegen die Meinungen in der Praxis gar nicht so weit auseinander; viele Patienten entscheiden sich nach einer Therapie mit dem Ziel des kontrollierten Trinkens schließlich dafür, gar keinen Alkohol mehr zu trinken. Die anderen Experten, die ihren Patienten klar sagen, dass sie mit Abstinenz erfolgreich sind, unterstützen solche Patienten, die nach der Entgiftung weiter trinken wollen auch weiterhinmedizinisch so gut wie möglich. Sie halten jedoch nichts von der Forderung, kontrolliertes reduziertes Trinken und Abstinenz als gleichrangige Ziele anzuerkennen. Das sieht auch der Gemeinsame Bundesausschuss so; das Medikament soll alkoholabhängigen Menschen helfen, weniger zu trinken und es anschließend besser zu schaffen, abstinent zu werden. Langfristig wird die Praxis zeigen, wieviel das Medikament als neue Entwöhnungshilfe bringt.

 

Vitalstoffe – zuviel des Guten?

Verschiedene Studien zeigen, dass Menschen, die sich ausgewogen ernähren, gut mit Vitaminen versorgt sind und das Vitamine in großen Mengen eher schaden. Grundsätzlich sind Vitamine gesund; sie stärken das Immunsystem, Knochen und Muskeln, sind am Stoffwechsel beteiligt und helfen Gewebe aufzubauen. Ebenso fangen sie freie Radikale im Körper ab. Bis auf die Vitamine D und K kann der Organismus diese Stoffe nicht selbst herstellen; wir müssen sie also zu uns nehmen. Sie sind in Obst und Gemüse, aber auch in Getreide, Fleisch, Milch und Fisch enthalten. Verzehrt man nicht genügend davon, zeigt der Körper im Laufe der Zeit Mangelerscheinungen. Zu wenig Vitamin D im Körper kann Osteomalazie ( weiche Knochen ) hervorrufen, bei Kindern die sogenannte Rachitis. Vitamin C – Mangel führte in früheren Zeiten zum Skorbut, ein Vitamin A – Mangel kann zu Nachtblindheit führen. Ernährungsmediziner können Erkrankungen durch Vitaminmangel sehr gut erkennen und beschreiben; was aber geschieht , wenn wir zuviele Vitamine zu uns nehmen? Geht das denn überhaupt?

Es ist fast unmöglich, Gemüse, Obst oder andere vitaminreiche Lebensmittel so im Übermaß zu sich zu nehmen, dass eine zu hohe Dosis Vitalstoffe zugeführt wird. Für Schwangere könnte es allerdings schädlich werden , wenn sie zweimal oder öfter die Woche mehr als 100 g Leber essen; das darin reichlich enthaltene Vitamin A kann in viel zu hohen Dosen zu Fehlbildungen des Babys führen. Laut den Medizinern kann nur die Einnahme von Vitaminpräparaten zu einem „Zuviel“ der entsprechenden Stoffe führen. Bei in früheren Zeiten häufiger durchgeführten Vitaminstoßtherapien kam es in der Tat vor. Es ist allerdings schwierig festzustellen, ab wann man von einer Überdosierung spricht; Biochemiker und Ernährungswissenschaftler der Uni Hohenheim gehen bis zum Dreifachen des Referenzwertes von Sicherheit aus, darüber hinaus sei eine Grauzone. Auch zeigen sich keine eindeutigen Symptome, die möglicherweise durch eine Überdosierung entstehen. Nimmt jemand mehr als zehnmal soviel Vitamin C der empfohlenen Menge ein, kann er Durchfall bekommen. Bei übermäßigem Vitamin A – Konsum kann es zu Schwindel, Erbrechen und Kopfschmerzen kommen. Möglicherweise werden diese Symptome aber auch durch zuviel Vitamin D ausgelöst. Bis vor einigen Jahren untersuchten Forscher noch die positiven Wirkungen extrem hoher Mengen auf die Gesundheit, jedoch wurden weitere Untersuchungen wegen der abschreckenden Ergebnisse nicht mehr genehmigt. Die Nährstoffe in hohen Dosen schützten nicht wie gedacht vor Herzinfarkten oder Schlaganfällen, sie begünstigten im Gegenteil sogar teilweise das Wachstum von Tumoren. Geschichtlich betrachtet werden Vitamine wie Medikamente behandelt, sind es aber laut der Wissenschaft nicht. Damals entdeckten die Wissenschaftler die heilende Wirkung von bestimmten Vitaminen bei todbringenden Krankheiten wie Skorbut oder die Verringerung der Sterblichkeit bei Tuberkulose mit Vitamin D – Gaben; somit glaubte man von nun an die pharmakologische Wirkung der Vitaminpräparate. Vitamin D stellt in der Lunge einen Abwehrstoff her, der auch Tuberkulosebakterien bekämpft.

Es ist jedoch nur sinnvoll, zusätzlich Vitamine einzunehmen, wenn der Arzt einen Mangel festgestellt hat. Es können bestimmte Krankheiten zugrunde liegen oder der Vitaminstoffwechsel ist gestört. Zum Beispiel kann der Körper bei einer Erkrankung der Magenschleimhaut kein Vitamin B 12 im Darm aufnehmen. In wenigen Ausnahmen können zusätzliche Vitamine schützen: bei alten Menschen, die oft weniger essen und somit natürlich auch weniger Vitamine aufnehmen und deren Stoffwechsel langsamer arbeitet, so auch das Entstehen von Vitamin D aus der Eigensynthese der Haut. Dieses muss älteren Menschen dann häufig verordnet werden. Neugeborene erhalten eine Vitamin K – Dosis; da ihre Darmflora noch nicht voll funktioniert und somit dieses Vitamin nur eingeschränkt herstellt. Schwangere Frauen sollten Folsäure nehmen, diese verringert das Risiko für Fehlbildungen wie etwa den offenen Rücken. Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, das bei vielen Frauen in jungen Jahren ein Folsäuremagel besteht, der sich während der Schwangerschaft auf den Fötus auswirken kann.

Einen ungesunden Lebensstil kann man auch nicht mit Vitaminpräparaten ausgleichen, denn diese enthalten nicht alle notwendigen, für den Körper wichtigen Mikronährstoffe. Denn in Lebensmitteln stecken viel mehr gesundheitsfördernde Stoffe als nur die Vitamine. Tabletten ersetzen somit nicht eine vernünftige Ernährung. Auch helfen sie nicht bei übermäßigem Zigaretten- oder Alkoholkonsum, zuwenig Schlaf oder Bewegung. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil dienen somit der Gesundheit wesentlich besser.

 

Internet – Gesundheit aus dem Netz

Laut einer bevölkerungsrepräsentativen Studie suchen rund zwei Drittel der deutschen Internetnutzer im Netz nach Antworten auf ihre Gesundheitsfragen. Beim Stichwort „Kopfschmerzen“ findet die Suchmaschine rund drei Millionen Ergebnisse; die Online-Diagnosen reichen von einer normalen Erkältung bis hin zu einem Hirntumor. Schwer ist es dann, sich keine Krankheit einzubilden. Manche Ärzte halten die Informationen für gar nicht so schlecht; sie trauen manchen Patienten sogar ein besseres Fachwissen als Allgemeinärzten zu. Vor allem Menschen, die an einer bereits diagnostizierten chronischen Krankheit wie Diabetes oder Rheuma leiden, können ihr Wissen erweitern und ihre Erkrankung besser verstehen. Somit werden Therapiemaßnahmen oft besser umgesetzt; im Gespräch mit dem Arzt über neue medizinische Erkenntnisse kann besser gemeinsam über die eigene Therapie diskutiert werden.

Aber: ein fähiges Instrument zur Selbstdiagnose, vor allem bei akuten Erkrankungen, ist das Internet jedoch nicht. Das Eingeben von Symptomen in nicht medizinische Suchmaschinen zur Diagnosefindung kann gefährlich werden, da solche Krankheiten ja oft dringlicher Hilfe bedürfen. In vielen Gesundheitsforen können anonym unqualifizierte Beiträge abgegeben werden, daraus resultieren Fehlinformationen und völlig falsche Diagnosen. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel die Impfdiskussion im Internet; oft wird statt wissenschaftlich fundierter Informationen nur die bloße Meinung kundgetan. Auch ist es für medizinische Laien schwer zu durchschauen, ob es sich nicht um kommerzielle Absichten handelt; wenn zum Beispiel hinter einer Seite ein Pharmaunternehmen mit eigenen finanziellen Interessen steckt.

Das Internet gehört mittlerweile als Quelle der Information zur sozialen Wirklichkeit und kann laut Ärzten vom Institut für Psychologie der Universität Münster als solches nicht ignoriert werden.                                                              Wie kann ich seriöse Informationen im Internet finden? Patienten müssen skeptisch bleiben und erkennen, welchen Darstellungen über Krankheiten sie vertrauen können; sie sollten nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Quelle der Informationen achten. Welches Interesse könnte der Anbieter der Informationen haben? Wenn sich über den Anbieter im z.B. Impressum keine Angaben finden lassen, ist eine solche Seite eher unseriös. Man sollte die Informationen auch mit anderen Aussagen zum selben Thema vergleichen; manchmal werden Sachverhalte nur einseitig dargestellt. Auch sollte die Aktualität der Informationen einer Seite geprüft werden. Gebotene Vorsicht gilt bei Foren; sie dienen nur dem Meinungsaustausch und enthalten selten wissenschaftlich geprüfte Informationen. Manchen Menschen mögen diese Plattformen im Umgang mit ihrer Krankheit helfen, bei anderen widerum können sich Ängste aufbauen. All das sollten sich die Nutzer klarmachen. Der Erfahrungsaustausch im Netz nützt vor allem denjenigen, die wegen ihrer Erkrankung das Haus nicht verlassen können oder sehr abgeschieden wohnen. Kein Merkmal für eine seriöse medizinische Informationsseite sind die, möglicherweise noch optisch betonten, Zugriffszahlen auf eine Seite, denn die können sehr leicht manipuliert werden und sagen überhaupt nichts über die inhaltliche Qualität einer Seite aus. Die Menge der Nutzer sollte nicht als Gütemerkmal aufgefasst werden; die Eindrücke sind subjektiv und belegen nicht die wissenschaftliche Korrektheit. Das Internet ist natürlich im Gegensatz zu dicken, schwerverständlichen Medizinbüchern mit all seinen leicht aufrufbaren Informationen eine umfangreiche, aber gerade deshalb auch oft verwirrende Quelle der Informationen geworden; Medizin war für Laien ja auch schon vor 25 Jahren sehr kompliziert. Aber das leichtere Erlangen von Informationen ist sicher für viele Patienten als Fortschritt auch im Gespräch mit den Ärzten zu sehen; jedoch ersetzt das Internet weder einen Arzt, noch einen Apotheker. Zur fundierten Diagnosestellung und Behandlung sollte der Betroffene stets einen Facharzt konsultieren, um falsche und somit gefährliche Verhaltensweisen zu vermeiden.

 

Hypochonder – der eingebildete Kranke

Einige Menschen leben, trotz völliger Gesundheit, in ständiger Angst vor einer unheilbaren oder tödlichen Krankheit. Ihre Seele ist krank, kann aber meistens geheilt werden. Die Angst der betroffenen Menschen ist echt; rund 800 000 Deutsche glauben an einer unheilbaren, seltenen oder tödlichen Erkrankung zu leiden, obwohl sie keinerlei Symptome haben. Laut Auswertungen psychologischer Institute glauben 80 Prozent der Hypochonder fest daran, Krebs zu haben – auf der Haut, im Gehirn oder an der Bauchspeicheldrüse zum Beispiel. Die übrigen 20 Prozent vermuten eher neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel die sehr seltene amyotrophe Lateralsklerose ALS; seltener ist die Angst vor Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Bei einem Hypochonder kreisen die Gedanken permanent um dieses eine Thema; alles, was aus seiner Sicht ungewöhnlich wirkt oder nicht normal aussieht muss mindestens beobachtet oder dann auch ärztlich abgeklärt werden: Kopfschmerzen, Schwindel, Rötungen, Muttermale oder Durchfall. Alle Körpersignale, auch solche, die völlig Gesunde haben, werden von einem Hypochonder als Symptome einer durchaus todbringenden Erkrankung gewertet. Die ständige Todesangst beherrscht ihren Alltag und lähmt die Betroffenen. Die Veranlagung der Hypochondrie liegt oft in der Kindheit; eine zunächst diffuse Angst vor Krankheiten in der Pubertät kann sich oft, auch erst nach Jahrzehnten, als eine solche Form der Angststörung in vollem Maße zeigen. Letztlich wird sie dann durch sogenannte Trigger, wie zum Beispiel Stress, ausgelöst. Ein überbehüteter Erziehungsstil, eine eigene Erkrankung oder auch der Tod eines nahestehenden Menschen können schon Risikofaktoren für die Entwicklung einer späteren Hypochondrie sein. Ärzte vermuten auch die Möglichkeit von angeborenen Faktoren, der sogenannten genetischen Angstvulnerabilität. Hierbei können Betroffene negative Gefühle nur sehr schwer aushalten.

Hypochonder können auch nach ärztlichen Untersuchungen, bei denen der Arzt Entwarnung gibt und es sich um vorübergehende Erkrankungen handelt, ihre Besorgnis oder auch Todesängste nicht ablegen. Sie denken, der Arzt wäre vielleicht nicht gründlich genug gewesen oder hätte etwas übersehen; sie beruhigen sich im Gegensatz zu gesunden Menschen nicht durch einen plausibel begründeten Befund, denken durchweg negativ. Diese Grundangst ist sehr tief verwurzelt und lässt andere, positive Gedanken kaum zu. Bei einer Therapie geht es deshalb auch um eine Erhöhung der gedanklichen Flexibilität; der Betroffene lernt, dass er auch immer in eine andere Richtung denken kann. Für die Wissenschaft galt Hypochondrie lange als unbehandelbar und wurde als Depression oder Persönlichkeitsstörung abgetan. Diese Sicht hat sich in den letzten Jahren verändert; Experten ordnen diese Krankheitsangst den somatoformen Störungen zu. Allgemein ist die Hypochondrie durch Verhaltens- und Konfrontationstherapie mittlerweise gut behandelbar, es gibt aber auch Menschen, die nicht auf diese Behandlungen ansprechen, allerdings sehr selten.

In der Konfrontationstherapie muss sich der Betroffene mit den eigenen Ängsten auseinandersetzen. Er soll vermeiden, sich ständig durch Arztbesuche oder Internetrecherchen rückzuversichern, dass er nicht krank ist. In der kognitiven Therapie liegt die Ausrichtung darauf, die eigene Bewertung von Körpersignalen und deren Risikoeinschätzung zu verändern; der Hypochonder soll wieder lernen, rationaler mit seinen Ängsten umzugehen. Nicht jeder Hypochonder geht jedoch automatisch gerne zum Arzt; manche vermeiden diese Besuche sogar bewusst, um nicht mit der ja befürchteten Diagnose konfrontiert zu werden. Bei informativen Beiträgen zum Thema Krebs im Fernsehen oder Gesprächen darüber im Alltag schalten sie dann ab oder ziehen sich zurück, verstärken aber durch diese Vermeidungshaltung nur die Angst und manifestieren sie. Durch eine gezielte und geduldige Therapie geht es den meisten Betroffenen, bis auf vielleicht noch subtile Sorgen, deutlich besser.

Glatze – wenn Geheimratsecken auftauchen

Wenn die ersten „Geheimratsecken“ erscheinen, lassen sich viele Männer aus Not auf allerlei zweifelhafte Methoden oder Mittel ein, z.B. Haarwässer, Botoxspritzen, Lasertherapie oder Heilkräuter. Auch die Ästhetik-Chirurgen haben nach den Frauen nun auch verzweifelte Männer als neue Zielgruppe entdeckt. Eine einträgliche Methode ist das sogenannte Vampir-Lifting, hier wird in mehreren Sitzungen eigenes, aufbereitetes Blut als Stimulanz für die Haarwurzeln gespritzt; wissenschaftliche Beweise für diese Methode gibt es nicht. Als wirksam nachgewiesen sind, jedoch auch nicht bei jedem, nur drei Methoden: zwei Medikamente und die Haartransplantation.

Anfang der 70er-Jahre wurde eine zufällig entdeckt; der Wirkstoff Minoxidil zur Behandlung von Bluthochdruck kam auf den Markt. Vor allem Frauen klagten bald über unerwünschte Nebenwirkungen: fast am gesamten Körper wuchsen verstärkt Haare. Hersteller nutzten dies und produzierten Schäume und Lösungen zum Auftragen auf die Kopfhaut und die im Normalfall nur dort wirken. Laut Dermatologen können sich Männer eine fünfprozentige Lösung oder Schaum zweimal täglich in das lichte Haar reiben; frühzeitig angefangen, lässt sich der Haarausfall stoppen. Oft gibt es auch eine Verbesserung. Eine wundersame Haarvermehrung sollte man jedoch nicht erwarten. Als Nebenwirkungen sind Kopfhautreizungen, Allergien oder Haarwuchs an unerwünschten Stellen möglich. Sehr selten kommt es bei örtlicher Anwendung zu starker Blutdrucksenkung mit Herzklopfen und Schwindel.

Auf längere Sicht wirksamer ist wohl der Wirkstoff Finasterid. Diese Tabletten sind rezeptpflichtig und greifen in den Mechanismus, welcher bei vererbter Empfindlichkeit die Haare ausfallen lässt, ein. Grund ist das männliche Hormon Testosteron, welches vor Ort in das deutlich wirksamere Dihydrotestosteron umgebaut wird und das, wenn auch nicht vollständig, dann Finasterid hemmt. Dieser Wirkstoff, der in höherer Dosierung auch gegen das gutartige Prostatasyndrom eingesetzt wird, bremst somit den Haarausfall. Laut einer Studie mit mehr als 1500 Teilnehmern sprießen bei etwa drei Vierteln der Behandelten circa 17 Haare pro Quadratzentimeter zusätzlich; er muss aber wie auch das Minoxidil dauerhaft angewendet werden. Nebenwirkungen sind in geringem Maße auch die der Prostatatherapie; weniger als einem von 1000 Männern wachsen und schmerzen die Brüste, auch ist in extrem seltenen Fällen Brustkrebs nicht auszuschliessen. Andere Begleiterscheinungen sind am häufigsten: bei etwa einem von 50 Behandelten lässt die Erektion oder Lust auf Sex nach, auch ist die Fruchtbarkeit möglicherweise beeinträchtigt. Haartherapeuten halten dies oft noch für akzeptabel, Ärzte jedoch sehen dies sehr kritisch und einige fordern sogar die Zulassung für die Anwendung an den Haaren zu entziehen. Bei einer rein kosmetischen Therapie wäre ein tiefes Eingreifen in den Hormonhaushalt einschließlich der Nebenwirkungen nicht zu vertreten.

Die dritte Lösung: eine Haartransplantation. Zwei der Methoden haben sich durchgesetzt; beide mit Vor- und Nachteilen. Billiger ist die sogenannte Streifentechnik; hier wird nur ein schmaler Streifen rasiert und die Naht lässt sich mit anderen Haaren überdecken. Allerdings bleibt eine bei rasiertem Schädel gut sichtbare Narbe. Eine Entzündung oder Wundheilungsstörung ist bei beiden Methoden möglich, aber selten. Da die Kopfhaut sehr gut durchblutet ist, fördert das die Heilung. Bei der Einzelhaartechnik wird eine viel größere Wunde verursacht, da auf einer größeren Fläche zahlreiche kleine Löcher gestochen werden. In der Regel behalten Männer mit starkem Haarausfall immer einen Haarkranz am Hinterkopf, da nicht alle Haare hormonempfindlich sind. Davon kann die Hälfte, ohne aufzufallen, zur Verpflanzung nach vorne entnommen werden. Dies geschieht unter örtlicher Betäubung. Selten passiert das in einer einzelnen Sitzung; je jünger die Patienten, desto mehr sollte man bei fortschreitendem Haarausfall eine Reserve übrig halten. Wichtig: die Transplantate lassen sich nicht so dicht setzen wie im natürlichen Zustand. Es werden circa 10 bis 40 Einheiten pro Quadratzentimeter verpflanzt, natürlich wären es 80 bis 100. Je nach Aufwand zahlen Betroffene zwischen 3000 und 8000 Euro, es gibt immer auch billigere oder teurere Angebote. Wohlüberlegt sollte man aber immer auf die Erfahrung des Arztes achten. Verharmlosen sollte man solche Eingriffe nicht, die Wunden bluten und es entsteht ein Wundschorf, der sogar erwünscht ist, da er das Verrutschen oder Ausfallen des Transplantates verhindert. Für drei bis vier Tage können Behandelte wie nach einem Boxkampf aussehen, die Augen schwellen zu und die Gesichtsfarbe wird hochrot. Laut den Ärzten ist das aber nach spätestens zwei Wochen überstanden. Prinzipiell wächst transplantiertes Haar lebenslang, jedoch bleiben mit zunehmendem Alter nur die stärksten Haare einer follikullären Einheit, die oft aus mehreren Haaren besteht, stehen. Es kommt also im Spätverlauf einer solchen Verpflanzung zu einem gewissen Ausdünnen. Jeder Mann sollte sich ohnehin hinterfragen, ob er wirklich großen Wert auf volles Haar legt und sich auf Risiken oder Nebenwirkungen einer Behandlung einlassen möchte. Nicht jeder sieht mit einer Glatze älter aus; oft unterstreicht sie den Typ und auch viele Frauen finden Männer mit Glatze attraktiv oder durchaus sexy.